Skurrile Wortspiele

„Es war einmal ein Donnerstag, der war anders.“ Der Satz fällt zwar nicht an einem Donnerstag, aber anders als gewohnt ist manches – Texte und Töne, Ambiente und Getränke. Von Markus Terharn

Wenn das Rheingau Musik Festival zur „Musikalisch-literarischen Weinprobe“ ins Laiendormitorium von Kloster Eberbach bittet, darf sich das Publikum auf einen Abend abseits des Alltags freuen. Längst ist der Status des Geheimtipps verwirkt.
Das Besondere beginnt mit der Wahl des Autors: Friedhelm Kändler, 1950 geboren, antwortet auf die Stilrichtung des Dadaismus mit seinem „Wowoismus“. Im Programm „Waste brauchst, das ist Liebe“ reimt sich Halma skurril auf Palma, Adonis auf Bedrohnis. Groteske Prosa ergründet, was uns an der Liebe fasziniert. „Kändlers Tierleben“ könnte die Reihe heißen, die von der kleinen Laus Plü, einer Ameise mit roten Schühchen und einer neidischen Libelle kündet. „Kändlers gesammelte Märchen“ schließlich gipfeln in der urkomischen Erzählung von Dornröschen und ihrem Pech mit Fröschen (was sich hier auch reimt). Fazit: „Manche Liebesgeschichten enden / mit Flecken an den Wänden.“

Sein Körpereinsatz ist enorm

Kabarettist Kändler kommt nicht selbst, wird von Friedrich-Wilhelm Junge aber würdig vertreten. Der Schauspieler vom Dresdner Theaterkahn macht sich seit langem um den begnadeten Wortspieler verdient. Zwischen einer Mülltonne, der er absurde Bauernregeln entnimmt, und einem Münzfernsprecher, an dem er abstruse Anrufe empfängt, schwitzt er mehrere Hemden durch. Sein Körpereinsatz ist enorm, seine Mimik abwechslungsreich, seine Diktion gestochen scharf. Das Vergnügen an diesem Vortrag vervollständigt ein treibendes Jazztrio: Michael Fuchs am Piano, Roger Goldberg am Kontrabass und Volkmar Hoff am Schlagzeug.

Genuss am Gaumen erzeugen die Tropfen aus Oestrich-Winkel, Kiedrich, Rüdesheim, Geisenheim, Schloss Vollrads, Johannisberg und Hochheim. Und bei Wolfgang Schleichers launiger Präsentation scheint Kändler Pate gestanden zu haben!

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Pixelio / Gabi Schönemann

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