Solisten auf Weltreise

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Stimmglanz im Opernformat: Bravo-Rufe gab es für die Leistungen der Gesangssolisten auf der Mühlheimer Bühne.

Mühlheim - Der musikalische Schauplatz war Sevilla. Auch Rom, Venedig, das Babylon von Verdis „Nabucco“ und sogar Peking, wie in Giacomo Puccinis letztem Bühnenwerk „Turandot“. Von Axel Zibulski

Überall dort spielen jene Opern, aus denen bei der Internationalen Opernnacht in Mühlheim Ausschnitte erklangen. Zum fünften Mal fand die Veranstaltung statt, als Open-Air-Konzert auf dem Festplatz an der Willy-Brandt-Halle. Das Wetter jedenfalls war mediterran: Nach drei Stunden, zur zweiten Zugabe, endete das Kaleidoskop populärer Opernmelodien, moderiert von Ilona Goldmann, mit einem prächtigen Feuerwerk.

Das „Venezia Festival Orchestra“ aus dem bulgarischen Plovdiv begleitete unter der Leitung von Dirigent Juri Gilbo die vier Solisten dieser Opernnacht, die im Rahmen des Kultursommers Südhessen stattfand. Mit Ausschnitten aus Georges Bizets „Carmen“ stellten sie sich vor, die junge Sopranistin Laura Nicorescu, ihre Mezzo-Kollegin Josefina Brivio, Bariton Daniel Fiolka und, mit der „Blumen-Arie“ des Don José , der peruanische Tenor Rafael Cavero. Bis die Solisten am Ende des offiziellen Programms zum Quartett aus der Strauß-Operette „Eine Nacht in Venedig“ zusammenkamen, gestalteten vokal allein sie diese Opernnacht. Anders als im Vorjahr wirkte auf dem Festplatz-Podium kein Chor mit.

Musikalisch führte nicht nur Bizets „Carmen“ nach Andalusien, sondern auch Mozarts „Hochzeit des Figaro“ und Gioacchino Rossinis sujetverwandter „Barbier von Sevilla“: Bariton Daniel Fiolka sang die Auftritts-Kavatine von Rossinis Barbier so wendig wie flexibel, nicht weniger zuverlässig gelangen Mezzosopranistin Josefina Brivio die Koloraturen der Rosina-Arie „Una voce poco fa“. Die stabilen Spitzentöne von Tenor Rafael Cavero hatten dem Publikum bereits in der ersten Programmhälfte „Bravo“-Rufe entlockt: Mit der Tenor-Arie „Nessun dorma“ war Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ vertreten, ebenso mit der Arie „Signor ascolta“ der Sklavin Liù. Die Abstimmungs-Irritationen zwischen Sopranistin Laura Nicorescu und dem „Venezia Festival Orchestra“ blieben hier Episode. Denn die rumänische Sängerin, bis vergangenes Jahr Mitglied im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper München, ließ im Rahmen dieser Opernnacht mehrfach aufhorchen, als lyrisch feine Norina aus Gaetano Donizettis Oper um den römischen Junggesellen Don Pasquale, auch als Susanna aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“

Von der italienischen Oper zur Operette von Johann Strauß führte das musikalische Finale dieses mit kräftigem Beifall gewürdigten Open-Air-Konzerts – und zu Franz Lehár, von dem die erste Zugabe („Lippen schweigen“) stammte. Sie leitete zugleich über zum abschließenden Feuerwerk, das nach drei Stunden diese fünfte Mühlheimer Opernnacht illuminierend krönte.

Quelle: op-online.de

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