Sopranistin Brenda Rae startet voll durch

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Längst ein kleiner Star in der Opernszene: Brenda Rae macht auf der Bühne eine gute Figur - auch stimmlich.

Frankfurt - Während der Studienzeit in den Staaten wollte sie noch Rockstar werden. Zum Glück überredete sie ihre Mutter zu einer Opernkarriere, die jetzt richtig Fahrt aufnimmt. Von Klaus Ackermann

Brenda Rae singt die Zerbinetta in der Richard Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“, ein Sopran der locker und leicht in höchste Höhen vordringt. Brigitte Fassbaender hat das Stück in Szene gesetzt, eine weitere, mit Frankfurt eng verbandelte große Sängerin. In der Titelrolle ist Camilla Nylund zu erleben, dirigieren wird Strauss-Spezialist Sebastian Weigle. Premiere ist am Samstag um 18 Uhr im Haus am Willy-Brandt-Platz.

Theater auf dem Theater: In der Villa des reichsten Mannes von Wien sollen die Oper „Ariadne auf Naxos“ und das Tanzspiel „Die ungetreue Zerbinetta mit ihren vier Liebhabern“ gleichzeitig aufgeführt werden, um pünktlich zum Abendfeuerwerk fertig zu sein. Ein schwieriges Unterfangen, weil sich der Komponist querstellt. Allein Zerbinetta wird es richten. „Sie ist eine große Improvisatorin“, sagt Brenda Rae, eine komplizierte, aber durchsetzungsstarke Frau, manchmal nicht ganz ehrlich, sogar eifersüchtig, kann indes auch sehr ernsthaft sein.

Fassbaender, die vor allem viel Wert auf Personenregie lege, habe ihr für diese Partie, die Rae bereits an der Opéra National Bordeaux und an der Hamburger Staatsoper sang, neue Impulse vermittelt. Und die früher international renommierte Mezzosopranistin hält große Stücke auf ihre Zerbinetta, sieht Brenda Rae schon auf dem Niveau einer Edita Gruberova, die in dieser Rolle für Furore gesorgt hat. Knackpunkt ist hier „Großmächtige Prinzessin“, eine der spektakulärsten und zudem längsten Koloraturarien der Operngeschichte, in der Zerbinetta einer tieftraurigen Ariadne ihre Ansichten über Liebe und Treue nahe bringt.

Die aus dem US-Bundesstaat Wisconsin stammende und an der berühmten New Yorker Juilliard School ausgebildete Sopranistin liebt Richard Strauss‘ Musik über alles – und fürchtet die akrobatische Koloraturen-Kür nicht. Sie habe von Natur aus eine sehr hohe Stimme und daher keine Mühe mit den Spitzentönen. Allenfalls bei Rollenwechseln, etwa von Violetta (Verdis „la Traviata“, zuletzt am Santa Fe Opera House in den USA) zur Zerbinetta, doch das sei schon nach zwei Tagen behoben.

Zu ihren Wunschpartien zählt die „Manon“, Titelheldin der Oper von Jules Massenet. Demnächst wird sie die Giulietta („Hoffmanns Erzählungen“) an der Bayerischen Staatsoper München verkörpern, eine von acht neuen Rollen, die sie bis Februar 2014 einstudieren muss. Am liebsten in ihrem Refugium, dem Haus in Iowa-City im mittleren Westen der USA, wo ihr Ehemann Jura studiert und Rae über einen Proberaum an der dortigen Musikhochschule frei verfügen kann.

Seit der Spielzeit 2008/2009 gehört sie dem Frankfurter Opernensemble an, Sachsenhausen ist ihr ans Herz gewachsen, wie die vielen Freunde, die Rae in der Stadt am Main hat. Abergläubisch ist sie beileibe nicht, wurde sogar schon von Kollegen gerügt, weil sie auf der Bühne gepfiffen hatte, was Unglück bringen soll. Doch auch Brenda Rae hat am Tag der Premieren ihre Rituale - sie bereitet sich dann eine frisch komponierte Mahlzeit zu. Bei „Traviata“ war es eine vegetarische Bratwurst, am Samstag vor der „Ariadne“ wird es ein Salat aus Chinois, rote Bete und Avocados sein. Guten Appetit!

Quelle: op-online.de

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