Fundstücke des Wiener Barock

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Ihre Liebe zum Gesang hat die Leipzigerin Simone Kermes beim Rundfunk-Kinderchor entdeckt.

Frankfurt - Die Liebe ist ein seltsames Ding. Selbst im Wien der Barockzeit und in Arien von Hofkomponisten besungen, deren bekanntester Alessandro Scarlatti war, an dessen 350. Geburtstag in diesem Jahr erinnert wird. Von Klaus Ackermann

Auch von der international geschätzten Sopranistin Simone Kermes, die mit Claudio Osele und „Le Musiche Nove“ die CD „Colori d’Amore“ herausgebracht hat. In galanten Fundstücken dreht sich alles um die Liebe; ein Programm, mit dem die Leipzigerin im Januar 2011 in der Alten Oper gastiert.

Wird man zur Barock-Sängerin geboren oder erzogen? „Es gehört stimmliches Talent dazu“, sagt Kermes, die zwar in den großen Opernhäusern der Welt gesungen hat, aber im Gespräch die Diva kaum hervorkehrt. Ein junge Frau, die weiß, was sie will – mit sympathischer dialektaler Farbe, zumindest im Alltag. Weil ihr enormer Stimmumfang sie für derlei Arien prädestiniert, habe sie gesangstechnisch intensiv daran gearbeitet.

Fundstücke ausgegraben und ediert

So sind die im Barock vielfältigen Koloraturen kein kunstfertiger Zierrat, sondern ehrlicher Ausdruck leidenschaftlicher Empfindung. Den erreiche man nur, wenn diese Passagen so säßen, dass man nicht mehr darüber nachdenken müsse, erläutert die Sopranistin. Das spürt der Zuhörer in den energisch pointierten, auch in höchster Höhe stimmlich völlig unangestrengten Arien. Osele, Spezialist für historische Klangforschung, hat diese Fundstücke ausgegraben und ediert. Dass in Originaltonart gesungen wird, ist für die Sopranistin Ehrensache.

Es sind italienische Komponisten, die unter gleich drei musikbegeisterten Kaisern in Wien ihren Neigungen nachgehen konnten und Dichter vom Range eines Metastasio vertonten. Darunter die Brüder Bononzini, Giovanni Bononcini verfasste eine Lieblingsarie der Sopranistin. „,Frondi tenere’ muss dem Zeitgenossen Georg Friedrich Händel so gut gefallen haben, dass er die Arie in seinem ,Ombra mai fu’ (dem berühmten Largo) fast wörtlich übernahm“, weiß Kermes. Und auch Bach sei von den Italienern inspiriert worden.

Ob es hilft, verliebt zu sein, wenn man ein solches Programm gestaltet? Eine melancholische Stimmung sei noch besser. Schließlich hätten auch die Komponisten ihre besten Werke in emotionalen Krisen geschrieben, so die Sopranistin, voller Lob für die Musiker von „Le Musiche Nove“, die den Reichtum an instrumentalen Farben und Harmonien ideal beleuchten.

Simone Kermes singt am 25. Januar 2011 in der Alten Oper. Karten: Tel. 069 1340-400

Ihre Liebe zum Gesang hat die Leipzigerin beim Rundfunk-Kinderchor entdeckt, auch beim telegenen „Sandmännchen“ mit von der Partie. Vor allem Disziplin habe sie da gelernt. Schon während des Studiums an der Hochschule für Musik Felix Mendelssohn Bartholdy ihrer Heimatstadt begann sie eine rege Konzerttätigkeit und sammelte erste Bühnenerfahrungen. Als Mozarts Konstanze und Königin der Nacht ist sie ebenso gefragt wie als Verdis Gilda („Rigoletto“).

Haydns „Orpheus und Euridice“ würde sie gern auf die Opernbühne bringen. „Aber auf historischen Instrumenten gespielt“ – eine Praxis, die sie sich sogar bei Verdi und Richard Strauss vorstellen könnte. Dessen „Vier letzte Lieder“ auf gedämpft und warm tönenden Darmsaiten begleitet – ein schöner Traum...

Quelle: op-online.de

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