Sound der wilden Jahre

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Nur als Kopie in Frankfurt zu sehen: Das Lennon-Bildnis aus „The Beatles 1985 – 86“

Frankfurt - Der Titel ist publikumswirksam. „Pop meets Pop. Andy Warhol & The Beatles“: Da werden Ikonen der Popkultur in den Sechziger Jahren in Verbindung gebracht, die noch heute viel Interesse auf sich zu ziehen vermögen. Von Stefan Michalzik

Ein wenig irreführend ist der Titel zu der Ausstellung, die das Frankfurter Museum für Kommunikation im Zuge der Slowakischen Kulturtage zeigt, schon. Die achtzig Exponate aus dem Andy Warhol Museum of Modern Art in Medzilaborce drehen sich ausschließlich um das persönliche Verhältnis von Warhol und John Lennon.

Es war die Konzeptkünstlerin Yoko Ono, Lennons Ehefrau, die Warhol mit dem Musiker bekannt gemacht hatte. Andy Warhol hatte von den Fünfziger Jahren an die Warenwelt der Konsumgesellschaft und die technische Reproduzierbarkeit zu seinem Motiv gemacht. 1963 gründete er in New York die legendenumwobene Silver Factory, einen Kreativpool der Avantgarde, in dessen Zuge Warhol auch den Anstoß für die wegweisende Popband Velvet Underground um die Musiker John Cale und Lou Reed gegeben hat.

Warhol wurde am 6. August 1928 als Sohn slowakischer Einwanderer in Pittsburgh, Pennsylvania geboren. Das im Nordosten der Slowakei angesiedelte Museum in Medzilaborce, das vor genau zwanzig Jahren auf Initiative von Warhols Bruder John gegründet worden ist, hält den größten Bestand an Werken des Begründers der Pop-Art nach dem Warhol-Museum in Pittsburgh.

Provokant: Yoko Ono, Andy Warhol und John Lennon

Unbeschwert fröhlich gibt sich das Trio, das auf den für die Ausstellung zentralen, Mitte bis Ende der Siebziger Jahre entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen des zur Factory gehörigen Fotografen Gerard Malanga zu sehen ist. Warhol, in inniger Umarmung von Lennon und Ono in die Mitte genommen, umfasst mit einer Geste der Selbstverständlichkeit Yoko Onos Brust, derweil Lennon eine Hand auf Warhols Hose gelegt hat. Auf einer anderen Fotografie küsst Warhol Lennon. Die Aufnahmen sind gestellt und von daher nicht als dokumentarisch zu bewerten. Die lebensnäheren, teils wackligen und dunklen Filmbilder von Begegnungen auf Vernissagen und bei anderen Gelegenheiten, die in Endlosschleife gezeigt werden, scheinen indes den Eindruck einer freundschaftlichen Vertrautheit zu bestätigen.

„Pop meets Pop“ bis 31. Juli im Museum für Kommunikation, Schaumainkai 53, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag bis Freitag 9-18 Uhr, Samstag und Sonntag 11-19 Uhr

Bilder des gleichfalls zur Factory gehörigen Fotografen Billy Name künden vom kreativen Geist und der Aufbruchstimmung der New Yorker Avantgarde. Siebdrucke von Zeitgenossen wie James Dean, Marilyn Monroe, den Beatles, ein Selbstporträt und – wohl als Reminiszenz an den Ausstellungsort – Goethe machen das Gros der 27 Exponate aus dem Werk Warhols aus. Hinzu kommt eine der berühmten Darstellungen von Campbell’s Suppendosen und Repliken der Brillo-Kartons. Eigens für diese Ausstellung wurden Kopien der Lennon-Porträts angefertigt; das Museum in Pittsburgh schickt die Originale aus konservatorischen Gründen nicht auf Reisen. Eine Vitrine enthält Reliquien aus dem persönlichen Besitz von Andy Warhol: Lederjacke, Sonnenbrille und Filmkamera.

Was sich die beiden Lichtgestalten dieser Epoche nun über eine offenkundige Verbundenheit hinaus tatsächlich zu sagen hatten, davon lässt die Frankfurter Ausstellung schmerzlicherweise nichts erkennen. Somit huldigt sie ihren Helden ihrerseits im Sinne der Ikonografie. Das mag eines Andy Warhols durchaus würdig sein. Gleichwohl wäre es interessant zu erfahren, was beispielsweise Zeitzeugen auszusagen vermögen.

Quelle: op-online.de

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