Spätes Erwachen eines Ignoranten

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Schlusspunkt einer „perfekten“ Ehe: Christine Glasner und Volker Brandt als Roberta und George.

„Sie wusste, was ich esse. Ich wusste, was sie isst. Wir mussten fast gar nicht miteinander reden.“ Das ist George Bartletts Vorstellung von einer perfekten Ehe, zu vernehmen in dem Lustspiel „Hände weg von meiner Frau“ von Sam Bobrick und Ron Clark in der Frankfurter Komödie.  Von Astrid Biesemeier

Und genau damit wäre schnell umrissen, wie George seine Frau Roberta nach 22 Jahren Ehe in die Flucht schlägt – raus aus der Sprachlosigkeit, rein in die Arme eines anderen Mannes.

Kein Grund zur Selbstkritik: Zwar ist der Konkurrent 15 Jahre jünger als er, aber „nur“ ein mittelloser griechischer Kellner in einem italienischen Restaurant. George hingegen ist erfolgreicher Geschäftsmann. Wäre doch gelacht, wenn er diesen Vorteil nicht nutzen könnte! Also kämpft er um seine Frau. Allerdings auf seine Art. Mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Sichtweisen. Und die sind eben etwas beschränkt.

Gibt es denn wirklich derartige Männerdesaster?

Da sagt Volker Brandt als George Sätze wie: „Das ist das Verrückte an euch Frauen. Ihr nehmt die Liebe viel zu ernst“ – und versinkt etwas tiefer im Schlamassel. Mit einer Mischung aus kindischem Trotz, Starrsinn und schnodderiger Nonchalance gibt Brandt seinen George, der im Stück derart überzeichnet ist, dass frau sich fragt, ob es derartige Männerdesaster überhaupt gibt.

Brandt spielt glaubhaft einen Mann, der die Probleme immer nur außerhalb seiner eigenen Person sieht. Für ihn ist klar, dass er den griechischen Kellner Jimmy (gespielt von Cyrus David) nur aus dem Weg räumen müsste, damit seine Frau zu ihm zurückkäme. Da bietet er unter anderem eine nicht unbeträchtliche Summe auf, um Jimmy zu motivieren, die Stadt zu verlassen.

Bis 25. Oktober ist das Stück „Hände weg von meiner Frau“ mit dem Schauspieler Volker Brandt in der Frankfurter Komödie zu sehen.

Der kleine Haken an dem überwiegend spaßigen Stück – und auch an der Inszenierung von Wolfgang Spier – liegt in ihrem Trumpf: George. Das ganze Geschehen wirkt wie um diese Figur arrangiert, und immer wenn Brandt ins Spiel kommt, kommt auch Leben auf die Bühne. Dass Roberta, von Christine Glasner verkörpert, und Jimmy verliebte Turteltäubchen sind, bleibt wenig glaubhaft.

Ihre Beziehung und die Folgen ein bisschen fleischlos. Der weibliche Einfluss macht sich eher dadurch bemerkbar, dass seine mit beträchtlichen Mängeln versehene Junggesellenbude mit weiblichem, am Nestbau orientiertem Geschmack ein wenig aufgehübscht wird (Bühne: Thomas Pfau).

Natürlich nimmt die Komödie geschickt einige Runden – und je nach Geschmack auch manchen Schlenker zu viel –, um die Frage hinauszuzögern, ob George eine Wandlung schafft, durch die er seine Frau zurückerobern kann. Wie es ausgeht, wird nicht verraten, denn das ist ja Teil des kleinen Spaßes, den das Publikum in der Komödie hatte und eifrig beklatschte.

Quelle: op-online.de

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