Spannend wie Hitchcocks Film

Frankfurt - Was treibt einen eher „leisen“ Schauspieler wie Matthias Brandt dazu, sich ausgerechnet an Robert Blochs Thriller „Psycho“ zu wagen, der durch Alfred Hitchcocks spektakuläre Verfilmung Weltruhm erlangte? Von Maren Cornils

Es muss die gespaltene, gepeinigte Persönlichkeit von Norman Bates gewesen sein, dessen Charakter zwischen verängstigtem Kind, tyrannischem Weib und kaltblütigem Mörder changiert und viel Raum für schauspielerisches Können lässt. Brandt gibt ihn in der Alten Oper eher als bemitleidenswertes, von Minderwertigkeitskomplexen und Ängsten beherrschtes Individuum. Schon der Auftakt zur szenischen Lesung macht deutlich, wie der aus zahlreichen Fernsehspielen bekannte Darsteller das Publikum in seinen Bann zu ziehen vermag. Reglos steht Brandt auf der Bühne. Ein Schatten nur, halb verdeckt vom Piano, das Jens Thomas mit Inbrunst bearbeitet, um ihm die passenden Töne zu seinem sphärischen Gesang zu entlocken. Da grollt der besungene „Rolling Thunder“ unheilvoll, während Thomas das drohende Unheil besingt und mühelos von der weiblichen Alt- in die männliche Basslage wechselt. Im Anschluss herrscht, wie noch so viele Male an diesem atmosphärisch dichten Abend, minutenlang Totenstille. Der perfekte Moment für Brandt, um derart plötzlich ins Blickfeld zu springen, dass mancher Zuschauer zusammenzuckt.

Und dann tauchen Brandt und sein Publikum ein in die Welt des Norman Bates. Eine Welt, die sich schon bald als Gefängnis entpuppt. Mit brüchiger Greisinnenstimme und hexenhaftem Gekicher schlüpft er in die Rolle von Bates’ übermächtiger Mutter, trägt einen Dialog aus, der doch nur im Kopf des Sohnes stattfindet. Zusammen mit der Musik entsteht eine Kakophonie, die an den Nerven zehrt. Wie es dem Schauspieler gelingt, die innerliche Zerrissenheit Bates’ darzustellen, sogar physisch spürbar zu machen, verdient Hochachtung. Brandts „Psycho“ ist spannend wie Hitchcocks Version. Packendes Theater mit einem grandiosen Darsteller - ein echtes Juwel!

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Quelle: op-online.de

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