Spiel mit Kontrasten

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Organisches Deckengemälde: Johannes Vogls Großskulptur „Lichtung“ ahmt Natur verblüffend nach.

Darmstadt - Was Licht und Dunkelheit mit uns machen, führen Künstler, Gäste und Preisbewerber der Darmstädter Sezession beispielhaft vor in ihrer Freiluftausstellung am Darmstädter Künstlerhaus Ziegelhütte. Von Reinhold Gries

Dafür hat man eigens Sonderöffnungszeiten eingerichtet, um Sonnenanbeter ebenso anzusprechen wie Nachtschwärmer.

Wechselspiel zwischen Tageslicht und Schatten brauchen viele Arbeiten wie Matthias Wills aufschwingende Viertelkreise, die erst bei blendender Sonne kreisförmige Schleifbewegungen ihrer Epidermis sichtbar machen. Johannes Vogls Großskulptur „Lichtung“ ist auf hohen Stahlstangen wie ein Baldachin vor den Wolken aufgespannt. Aus einer LKW-Plane ist ein achteckiges großes Himmelsbild so herausgeschnitten, dass man glaubt, eine Waldlichtung zu betreten. Raumöffnend wirkt auch der monumentale „Sonnenring“ von Dominik und Salome Mohs, wie eine Achterbahn über die Wiese kurvend und den Lauf der Sonne nachbildend.

Vom Dualismus von Licht und Schatten

Vom Dualismus von Licht und Schatten lebt auch Joachim Kuhlmanns spätkubistische Skulpturengruppe „Gelichtetes Dunkel“ aus geschwärztem Eichenholz. Spektral erschließt Markus Hofmanns in wassergefüllter Würfelinstallation Farbaufspaltung und Oberflächenreflexe. Aquamarinblau leuchtet dazu Till Augustins Säule aus gesägten, gemeißelten und blau patinierten Verbundglaskörpern, als wäre sie aus Edelstein. Entgegengesetzt arbeitet Linda Hollkotts rostiger Metallquader: Bei jedem Aufklappen des Deckels verblasst das lichtempfindliche Fotogramm darin.

Auch andere Arbeiten verlieren im Tageslicht Kraft. Weniger Ruben Aubrechts im Morse-Code flackernde Glühbirne, Horst Dieter Bürkles Guckkastenspeicher mit angebrannten Kerzen oder Hannes Meinhards Eisenskulptur „Lichtspalt“ mit LED-gesteuertem Schattenbild. Siegrid Siegeles aus geformten Ziegeln gemauerte Stelen und „Lichtspaltkubus“ gefallen tags wie nachts.

Kunst für Nachtschwärmer

Dann die Kunst für Nachtschwärmer: Thomas und Renée Rapedius nachleuchtende Aluminiumstangen sind zwischen Obstbäume gezeichnet wie lange Spinnenbeine, Chistian Leitnas Plexiglas-Leuchtkästen wecken auch technisches Interesse. Siegfried Kreitners Leuchtstele „IV 2003“ mit Elektromotor und blauentladendem Neonsystem oder Roland Burkarts aufleuchtende Kunststoffkabel leben ebenso in Düsternis auf wie Moritz Freis Globus-Installation in ausrangierter Telefonzelle und Birgit Cauers Leuchtschlauch-Assemblage.

Nacht in Megalopolis: Stefan Demmings „Endless Lights II“

Andere sind die Tag-Nacht-Problematik umgangen, indem sie Lichtinstallationen in abgedunkelte Hütten gebaut haben, darunter Stefan Demming in seinem herausragenden Werk „Endless Lights“, das 600 Lichter so im Spielgeldreieck anordnet, dass man das nächtliche Lichtermeer einer Megalopolis vor sich zu haben glaubt. Tiefe auf engem Raum erzeugt auch Fabian Vogel mit verblüffendem „Lichtsteg“ aus Leuchtstoffröhren. Mit Pfiff arbeitet Judith Spangs Kunststoff-Treibhaus, in das man unbedingt hineinpfeifen sollte, um faszinierende akustische Kettenreaktionen zu erleben, entfacht von 800 sich entladenden Knopfzellen. Fast unabhängig von Sonnenstand ist auch Michael Krenz‘ Leuchttechnik-Installation „we will win“ vor dunkler Baumkulisse. Hinter Constanze Schüttoffs farbig getränkter Glas-Papier-Installation „blauer horizont“ gewinnen die Leuchtbuchstaben ganz eigenen Reiz.

„Licht“ Darmstädter Sezession bis 1. September auf der Ziegelhütte Darmstadt. Geöffnet: Freitag und Samstag 17-24 Uhr, Sonntag 11-17 Uhr

Quelle: op-online.de

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