Sprachrätsel und Klangsplitter

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Reichlich absurd ging es zu im Holzfoyer der Oper Frankfurt bei „Geen Krimp, Gustav!“. Die Bühne sah aus wie ein explodierter Flohmarktstand mit Tischen, alten Kühlschränken und Kleinteiligem.

Frankfurt - Die letzten Besucher haben den Opernsaal längst verlassen, da wird zu später Stunde die Sprache ein wenig rätselhaft: „Worrner vrems juch?“ lautete eine Frage, die Antwort darauf, na klar, „Och vremer dar grimp“. Von Axel Zibulski

Reichlich absurd ging es zu im Holzfoyer der Oper Frankfurt bei „Geen Krimp, Gustav!“ Das nächtliche Musiktheater „über einige Lieder Gustav Mahlers“ hatte mit einem herkömmlichen Liederabend wenig zu tun. Die Bühne sah aus wie ein explodierter Flohmarktstand mit Tischen, alten Kühlschränken und Kleinteiligem.

Erdacht hat sich die äußerlich gezielt sinnfreie Spätvorstellung die 1974 geborene Ludivine Petit, zentraler Darsteller war der Klangkomponist und Stimmkünstler Jaap Blonk. Die Brücke zu Gustav Mahler blieb eine höchst vage, das existenzielle Soldatenlied „Revelge“ wurde zum Stichwortgeber für allerhand klangliche und vielleicht auch biografische Grenzerfahrungen. Wenn man denn überhaupt deuten möchte, was Petit zusammen mit Blonk, der Sopranistin Barbara Zechmeister, dem Bariton Simon Bailey sowie dem Pianisten Florian Ziemen erarbeitet hat. Ziemen war auch für die musikalische Konzeption zuständig. Und die zielte auf eine weitgehende Fragmentierung der Lieder Mahlers.

So plauderte Blonk dem vorzüglich geschmeidigen Bariton munter dazwischen, grunzte, röchelte, schnaufte. Eine Videokamera hatte eingangs aufgezeichnet, wie er flugs und linkshändig opulente Ornamente aufmalte, später fing sich Mahlers „Antonis’ zu Padua Fischpredigt“ in einer Art gestammelter Endlosschleife. Es hätte statt Mahler wohl auch jeder andere Komponist die tönende Folie beisteuern können.

Manche im Holzfoyer amüsierte der Abend, den man doch auch ziemlich muffig finden konnte: Instrumentaltheater im Sinne Mauricio Kagels sorgte wohl vor Jahrzehnten für bürgerliche Aufschreie, heute rufen die Spielereien mit Mahlers Liedern sicherlich keinen Tugendwächter mehr auf den Plan. Und so wurde dieses gut einstündige „Geen Krimp“-Theater, auch das natürlich ein Fantasiebegriff, ziemlich schnell ziemlich langatmig. Respekt den beiden Sängern, dass sie sich so konzentriert darauf eingelassen hatten.

Quelle: op-online.de

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