„Günter Henrich und Weggefährten“

Spuren eines Kurators

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Günter Henrichs Originale zeigen Ei-genheiten.

Seligenstadt - Günter Henrich hat Spuren hinterlassen. Der auf Kunst-Pfaden wandelnde Architekt in Diensten der EVO hat den Offenbacher Gasturm in eine Galerie verwandelt, als Karikaturist widmete er sich hessischen Eigenarten. Von Carsten Müller

Die Gedenkausstellung „Günter Henrich und Weggefährten“ in der Galerie des Kunstforums Seligenstadt erinnert an den 2011 verstorbenen Künstler und Kurator, dessen kleinformatige Eier- und Apfelwein-Originale den Rundgang eröffnen.

Annette Bischoff verarbeitete Eindrücke aus Shanghai.

Dort gibt es ein Wiedersehen mit einigen der von Henrich im EVO-Turm betreuten Künstler. Den Besucher empfängt die luftige Liaison von geometrischer Form und Typografie in den Grafiken des früher in Dreieich lebenden Emilio Sdun. Einblicke in fernöstliche Kultur bieten collagierte Shanghai-Ansichten der in Darmstadt lebenden Annette Bischoff, die Fotografie, Druck und Malerei zu Alltagsszenen verdichtet. Abstrakte Werke zeigt Werner Kiesel aus Aschaffenburg, dessen Kompositionen aus grüngelben und türkisen Urgründen kristallin ans Licht streben.

Von der im vergangenen Jahr verstorbenen Frankfurterin Renate Sautermeister sind Radierungen zu sehen, die menschliche Temperamente mit schwungvollem, virtuos reduziertem Strich auf den Punkt bringen. Sympathie für Surreales zeigt ihre Lithografie der offenen Türen in einer zwielichtigen Zwischenwelt. Bildhauer Frank Breidenbruch lebt in der Toskana, seine Holzschnitte sind Zeugnisse eines Weltenbummlers, der Eindrücke auf handgeschöpftem Papier festgehalten hat. Seine Leidenschaft für die kleine Form zeigt sich in akribischen Ornamenten und einlässlichen Charakterstudien.

Mannshohe Buchkunst von Irmtraud Klug-Berninger

Einen Schleier scheint die in Offenbach lebende Japanerin Noriko Ogawa über ihre mit sparsamem Strich bespielten Leinwände gelegt zu haben. Wo der Nebel sich lichtet, stören pastose Farbballungen den kontemplativen Fluss der Linie. Weich, wolkig und wie maskiert wirkt auch die abstrakten Malerei von Heino Gerhardt. Zart modulierte Farben und ein in den Vordergrund drängendes Weiß sind konstitutive Elemente.

Nebenan schwebt zartes Papier in schweren Metallrahmen von Irmtraud Klug-Berninger, die zarte Japanblätter zum mannshohen Kunstbuch bindet. Verschlungene Holzskulpturen der Rödermärker Bildhauerin Ortrud Sturm kontrastieren mit HAP Grieshabers Holzschnitten, wo zwischen Flora und Fauna, Mythen und Religion, Strich und Linie der Menschenfreund aufscheint.

  • „Günter Henrich und Weggefährten“ bis 30, Juni in der Galerie Kunstforum Seligenstadt. Geöffnet: Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertag 15-18 Uhr und nach Vereinbarung unter 06182/924451

Quelle: op-online.de

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