Stanzen, Steppen, Vorrichten, Kantenbrennen, Glätten

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In ihrer Tanzperformance „Instanzen“ thematisiert Ina Juretzek das Lederhandwerk.

Kreativität, Sprunghaftigkeit, unkonventionelles Benehmen und sprudelnde Ideen waren das Markenzeichen der vor 150 Jahren verstorbenen Bettina Brentano, Namensgeberin der Offenbacher Bettinastraße. Von Reinhold Gries

Die 25 Künstlerinnen und Künstler des Atelierhauses B 71 leben das neu vor. Zu den „Kunstansichten“ schließen sich sieben von ihnen zur Schau „vorORT – AußenInnen“ zusammen. Der Ausstellungsraum im Obergeschoss wird mit Folien eingehaust, auf denen umliegende Bebauung mit Schwarzlack und Edding in pittoreskem Zeichenduktus gespiegelt ist. Im Dialog mit dem Licht der Fenster wird das Außen zum Innen, das Innen zum Außen.

Den Innenraum lassen wir frei“, betont Nina Bauernfeind. Die „Innenwelt der Außenwelt“ wird zur Bühne, wenn Ina Juretzek ihre Tanzperformance „Instanzen“ aufführt. Dabei holt sie die Vergangenheit des Atelierhauses als Stanzerei in die Gegenwart, choreografiert Abläufe des Lederhandwerks: Stanzen, Steppen, Vorrichten, Kantenbrennen und Glätten.

Bei einer Diskussion über „Kunst im politischen Raum“ geht es um Albert Speers These „Die Zukunft der Frankfurter Kreativwirtschaft liegt auch in Offenbach“. Unter Moderation der Künstlerin Christine Wagner reden Verleger Axel Dielmann und Frankfurts Wirtschaftsdezernent Markus Frank mit Offenbachs Kulturmanager Ralph Philipp Ziegler und B 71-Vorstand Marilena Faraci Stangier über Perspektiven städtischer Kulturarbeit in Offenbach und die angedachte Agentur für hiesige Ateliers.

B 71, Bettinastraße 71-73. Samstag, 19. September, 18 Uhr, Performance „Instanzen“,19 Uhr, Diskussion „Kunst im politischen Raum“;

Sonntag, 20. September, 15 Uhr, Werkstattgespräch, 16 Uhr, „Instanzen“. Weitere Informationen auf der Internetseite des Atelierhaus- b-71

Was im Nordend an Potenzial existiert, zeigt ein Gang durch B 71-Ateliers. HfG-Absolventin Bauernfeind erfasst Stadtlandschaft in großformatigen Zeichnungen. Natur, U-Bahn, Häuserschluchten verdichten sich zu Panoramen. Beiden Mainstädten widmen sich Farbfotografien von Jutta Hilscher. Der „Möblierung der Stadt“ durch Verkehrsschilder, Stromkästen, Bänke und Parkuhren gewinnt sie ebenso eine eigene Ästhetik ab wie Hochhäusern, Hochsitzen, Straßencafés und Geschäften. In Ölbildern befasst sich Irina Balandina mit Farbenspielen, monumentalen Stadträumen und Szenerien „um die Ecke“.

Petra Hirsch mischt klare Farben mit Sand, Sägespänen, Kaffeebohnen und Stoffen. Zwischen Landschaft und informeller Gestik bewegt sich das Werk von Alexander Fels. Übereinander gelegte Papiere mischt Barbara Drube mit Farbschichten zu überraschenden Strukturen. Der Magie der Farben sind Marilena Stangiers „Koloraturen“ verfallen. Die Psychologin und Malerin sucht eine Balance zwischen Chaos und Ordnung. Barbara Boeker fertigt Objektmontagen aus Metall, Stein, Glas und Holz an.

Quelle: op-online.de

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