Starke Familienbande

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Haben sich in ihrer Beziehung eingerichtet: Christiane Hammacher und Gunnar Möller als Ethel und Norman.

Gleich drei Oscars räumte der Film „Das Haus am See“ 1982 ab. Im Frankfurter Fritz-Rémond-Theater hat nun Peter Lotschak diese etwas sentimentale Geschichte auf die Bühne gebracht, die den Umgang mit Alter, Krankheit und Tod ebenso umkreist, wie Familien-, Ehe- und Generationskonflikte. Von Astrid Biesemeier

Im Zentrum steht das Ehepaar Ethel und Norman Thayer. Trotz oder wegen ihrer unterschiedlichen Charaktere kommen sie miteinander aus und arrangieren sich mit Normans fortschreitender Demenz.

Dabei ist der 80-Jährige ein ziemlich eigenbrötlerischer Typ, der seine Nächsten manches Mal mit Sarkasmus traktiert oder mit Zynismus abkanzelt und es seiner Umgebung nicht gerade leicht macht. Dem aus Film und Fernsehen bekannten Gunnar Möller gelingt es, diesen schwierigen Charakter in einem Schwebezustand zu belassen, sodass man oft nicht weiß, ob Norman gerade eine Marotte oder Unlust tarnt oder tatsächlich an einer echten Schwäche leidet.

Stück erscheint für unter 50- oder 60-Jährige betulich

Christiane Hammacher ist das patente Gegenüber zu diesem schwierigen Zeitgenossen. Zwar ist der starke Charakter dieser Frau erkennbar, wenn Ethel ihren Mann bestimmt, aber respektvoll in die Schranken weist. Aber so routiniert die beiden Schauspieler auch agieren: Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Entstehung des Stücks wäre der Weg, den die beiden in diese offenbar gut funktionierende, wenngleich nicht immer einfache Eheroutine zurückgelegt haben, fast interessanter. So könnte es durchaus sein, dass Stück und Inszenierung für unter 60- oder 50-Jährige trotz mancher Pointen etwas betulich, ja sogar altmodisch erscheint.

Das Stück ist noch bis 29. November zu sehen.

Zwar lässt das naturalistische Wohnzimmerambiente, das den Blick auf den See im Hintergrund freigibt, durchaus Platz für witzige Wortklaubereien. Allerdings ist im sorgfältigen Kleinklein von Deckchen und Blümchen, Sesseln, Garderobe und Kamin (Bühne: Manfred Breitenfellner) wenig Raum, um die Beziehung Normans zu den anderen Figuren wirklich zu entwickeln, obwohl das Stück doch einige typische Familienmuster aufdeckt. Iris Atzwanger als Tochter Chelsea darf nur kurz die Kränkung, dass der Vater sie seit ihrer Kindheit nie wirklich akzeptiert hat, spielen. Jens Hajek als ihr zweiter Mann Ray hat ebenso kurz die Chance, den aufrechten Schwiegersohn in spe zu geben, der Dinge direkt anspricht und sich von Norman nicht einschüchtern lässt.

Dreh- und Angelpunkt kommt zu kurz

Viel zu kurz kommt der Dreh- und Angelpunkt des Stücks: die Annäherung zwischen dem pubertierenden Quasi-Enkel Billy und dem alten Norman. Der Zuschauer kann nur erahnen, wie sich die beiden im Kontakt miteinander verändern, so dass sie am Ende sogar die Sprachgewohnheiten des anderen annehmen.

Quelle: op-online.de

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