Starke Frau in Frankfurt

Frankfurt - Wer wacht schon gern in einem fremden Bett auf und erinnert sich, einen Kollegen durch ein Verbrechen verloren und beide Täter erschossen zu haben? Mit diesem starken Einstieg zieht Helmut Barz die Leser in seinen Krimi „Westend Blues“. Und so beginnt der Offenbacher die Buchvorstellung im Internationalen Theater Frankfurt. Von Markus Terhan

Auf der Bühne ist der Theaterwissenschaftler und Regisseur in seinem Element. Folglich gibt es keine konventionelle Lesung. Mit Schauspielerin Raquel Erdtmann wechselt sich der 40-Jährige im Vortrag epischer Auszüge ab, von dem Jazzgitarristen Benjamin Kolloch mal lyrisch, mal dramatisch untermalt.

„Sex, Mord, Gewalt, Intrige, moderne Kindererziehung, kurz: ein Programm für die ganze Familie“ hat Barz anfangs versprochen. Und er hält Wort. Seine Heldin, die Frankfurter Kommissarin Katharina Klein, ist nicht nur mit Kampfsport und Waffen vertraut, sondern eine vielschichtige Frau: 33, Single, attraktive Halbkoreanerin mit tragischem Hintergrund, Kindern wenig zugetan. Ausgerechnet sie soll sich um die kleine Tochter ihrer Nachbarin kümmern, welche im Koma liegt. Unfall oder Untat? Barz verrät dem Publikum, dass sie nicht überleben wird. Aber gibt es einen Zusammenhang mit der eingangs geschilderten Ballerei?

Nein, die Spannung verdirbt Barz denen, die sein Werk ja kaufen sollen, nicht. Lieber führt er einen gutaussehenden Arzt ein, der bei der harten Polizistin weiche Knie verursacht. Für dessen Medizynikerjargon findet Barz die passenden Sätze – und mit Erdtmann auch für die übrigen Charaktere den richtigen Tonfall. Im witzigen Schnelldurchlauf reiht er wiederkehrende Fragmente aneinander: „Katharina schwieg.“ Und weckt geschickt Neugier auf die Lektüre!

Quelle: op-online.de

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