Starkult und Selbstporträt

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„Zidane: A 21st Century Portrait“ (2006)

Frankfurt - Die Werkschau 2007 in Wolfsburg, wo alle Filmarbeiten von Douglas Gordon gezeigt wurden, war so aufwändig, dass sich seitdem kein Museum in Europa an eine Einzelausstellung gewagt hat, sagt MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer. Von Anke Steinfadt

Sie hat das Erdgeschoss sowie zwei Räume im ersten Stock des Frankfurter Museums für Moderne Kunst diesem Künstler bereitgestellt, der für ihr Haus zu den „wichtigsten und einflussreichsten seiner Generation gehört“.

Eckpfeiler im Schaffen des 1966 in Glasgow geborenen, an der Glasgow School of Art und der Londoner Slade School of Art ausgebildeten Turner-Preisträgers sind der Film und seine Geschichte, Starkult und Selbstinszenierung. „Straight to Hell“ heißt die Installation aus hunderten Exponaten, die ein Selbstporträt ergeben. Geburtsurkunde, Fotos, Postkarten, Zeitungsschnipsel, Kinderzeichnungen, Plattencover, Notizzettel. Fragmente gelebten Lebens, säuberlich gerahmt, teils so universell, dass man sie der eigenen Biografie zuordnen könnte.

Bezüge herstellen will Gordon, zwischen Werken untereinander wie zwischen Werk und Betrachter. Bei „Play Dead; Real Time“ findet dieser sich einem lebensgroßen Elefanten gegenüber. Auf Leinwänden müht der sich schwerfällig, steht auf, legt sich hin, immer wieder, nicht im Zirkus, sondern in einem Ausstellungsraum. Die Anstrengung des tonnenschweren Tiers ist deutlich; der Impuls regt sich, das von unsichtbarer Stelle gesteuerte Auf und Nieder zu beenden.

17 Kameras auf Zinédine Zidane

Bekannt wurde Gordon, seit 2010 Professor an der Frankfurter Städelschule, 1993 mit der Videoinstallation „24 Hour Psycho“, in der er Alfred Hitchcocks „Psycho“ durch extreme Zeitlupe auf 24 Stunden ausdehnte. Weitere Verfremdungen von Filmklassikern folgten. Gordons neue Arbeit „Henry Rebel“ (2011) beruht auf „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. Er inszenierte zwei Szenen, die im Drehbuch standen, aber nie verwendet wurden, mit dem Schauspieler Henry Hopper.

Ein Porträt des französischen Fußballers Zinédine Zidane entstand 2006. 17 Kameras waren während eines Spiels auf den Superstar gerichtet. Daraus wurde ein Film geschnitten, der 90 Minuten aus allen Blickwinkeln nur Zidane zeigt. Im MMK ist das gesamte Material erstmals auf Einzelbildschirmen installiert.

Das Gegenteil von Heldenverehrung bieten Ikonen wie Marilyn Monroe oder Elvis Presley aus der Serie „Self-portrait of You + Me“. Ausgangsmaterial sind Plakate von Warhol-Drucken, aus denen Augen, Mund und mehr herausgebrannt wurden. Was übrig blieb, montierte der Künstler auf Spiegel. Zwischen gespenstisch entstellten, demontierten Stars betrachten Besucher sich selbst.

Ohne alle Effekte ist „k.364“ inszeniert, ein 50-minütiger, dokumentarisch anmutender Film über Geschichte und Gegenwart anhand der Reise zweier israelischer Musiker von Berlin nach Warschau zur Aufführung von Mozarts Sinfonia Concertante. Ein Wiedersehen gibt’s mit einem Werk der Sammlung von 1996: „The Making of Monster“. Durch Tesafilmstreifen, die er sich kreuz und quer über das Gesicht klebt, entstellt sich der Künstler – und beweist, dass es wenig braucht, um ein Ungetüm zu erschaffen.

Douglas Gordon, bis 25. März im Museum für Moderne Kunst Frankfurt, Domstraße 10. Geöffnet: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch 10 bis 20 Uhr

Quelle: op-online.de

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