Das Caricatura Museum für Komische Kunst zeigt „Guido Sieber - Rock‘n‘Roll Fever“

Starschnitte der anderen Art

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Siebers Blick auf die frühen 60er Jahre: Surf-Musik und „Beach Bunnies“.

Am Anfang war es nur eine Slang-Bezeichnung für eine schnelle Nummer - Rock‘n‘Roll. Heute, in einer ganz anderen Bedeutung, ist die Nummer unvergänglich, ganz so, wie Neil Young es einst sang: „My, My, hey, hey, Rock‘n‘Roll is here to stay“.

Wenn er nun aber gekommen ist, um zu bleiben, darf er auch hinterfragt werden. Genau dies unternimmt der Berliner Maler Guido Sieber in seiner großen Ausstellung „Rock‘n‘Roll Fever“, die ab heute Abend im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt zu sehen ist. In 176 Gemälden und Zeichnungen versucht er nichts weniger als die Geschichte von hundert Jahren populärer Musik zu erzählen und dabei noch die Mythen, die um Rock und Pop entstanden sind, zu entmystifizieren. Sieber ist dabei selbst ein vom Fieber Infizierter. Einst Betreiber eines Plattenladens und selbst ausgewiesener Sammler, kennt er sich sowohl mit den verschiedenen Subgenres wie auch den Stars aus Jazz, Rock, Pop, Blues, Soul und Funk aus.

Der Maler, dessen Arbeiten bereits in vielen Ausstellungen zu sehen waren und dessen Illustrationen sowohl in Zeitschriften wie auch auf Plattencovern gedruckt werden, verpasst seinen und unseren Idolen dabei weder einen Heiligenschein noch persifliert er in übertriebener Weise etwa markante Körpermerkmale, Mick Jaggers Lippen. Elvis‘ aufgedunsenen Leib oder auch George Harrisons abstehende Ohren.

Auch wenn einige Bilder Siebers, der regelmäßig für die Satirezeitschrift „Eulenspiegel“ zeichnet, an die Arbeiten des österreichischen Karikaturisten Manfred Deix denken lassen, wirken die Stars nicht zu Monstern überzeichnet, sondern erscheinen mit ihren Pickeln, schiefen Zähnen, krummen Nasen und all den anderen kleinen Schwächen plötzlich wieder wie Menschen, heruntergeholt vom Thron. „Grotesk-satirische Malerei“ nannte Caricatura-Leiter Achim Frenz gestern Siebers Arbeiten, „Starschnitte der ganz anderen Art“. Diese, sich meist auf das Gesicht konzentrierenden Bilder von Robert Johnson, Elvis Presley, den Beatles, den Stones, Jimi Hendrix, den Beach Boys, Michael Jackson und hundert anderen mehr lassen durchaus den Verweis auf die Traditionslinie zu Meistern wie George Grosz und Ott Dix zu, auch wenn Sieber technisch eher zu den Hyperrealisten zu zählen ist.

Kongenial ergänzt wird die überaus sehenswerte Ausstellung wie auch das eigens dazu veröffentlichte Buch „Rock‘n‘Roll Fever (Edel Verlag) durch die so informativen wie lesenswerten Texte des Augsburger Schriftstellers und Musikexperten Franz Dobler. Besuchern werden außerdem musikalische Kostproben per ausleihbarem MP3-Player geboten. Schließlich will man Rock‘n‘Roll nicht nur sehen und lesen, sondern vor allem hören.

CHRISTIAN RIETHMÜLLER

P„Rock’n‘Roll Fever“, bis 30. Januar 2011 im Caricatura Museum für Komische Kunst, Weckmarkt 17, Frankfurt. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch 10 bis 21 Uhr

Quelle: op-online.de

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