Szenen eines Frauenlebens

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Dreifache Conxa: Liljana Elges, Josephine Fabian, Sophie Lochmann

Offenbach - Kinder, Küche, Kirche, Krieg sind prägende Elemente eines Frauenlebens im 20. Jahrhundert. Ein ganz gewöhnliches Schicksal hat die katalanische Autorin Maria Barbal zu dem ungewöhnlichen Roman „Wie ein Stein im Geröll“ verdichtet. Von Markus Terharn

Mit der deutschsprachigen Erstaufführung der Bühnenversion gastierte das Südthüringische Staatstheater Meiningen im Offenbacher Capitol.

Die Abkunft von der Erzählprosa ist dem Text deutlich anzumerken. Damit keine Eintönigkeit aufkommt, ist Regisseur Jan Steinbach ein Kunstgriff eingefallen: Drei sehr junge Schauspielerinnen teilen sich die Rolle der Conxa, die ihr 80 Jahre währendes Leben Revue passieren lässt. Sie wechseln sich ab in der Erinnerungsarbeit, fallen einander ins Wort, sprechen auch chorisch oder summen gemeinsam.

„Ich tat alles, um mich nützlich zu machen“ ist ein typischer Satz. Berechtigt wirkt die Frage, warum ein Sohn eher erwünscht ist als eine Tochter: „War es doch immer die Frau, auf deren Schultern das meiste lastete!“

Zugemüllte Kulisse

Um dies zu unterstreichen, hat Lisa Däßler die Kulisse messiemäßig zugemüllt. Die Conxas – Liljana Elges, Josephine Fabian und Sophie Lochmann, ergänzt um die bis kurz vor Schluss stumme Statistin Sabine Tolksdorf als Greisin – beschäftigen sich pausenlos mit dem, was Frauen alles umtreibt: Bügelbrett und Häkelarbeit, Milchkanne und Wäscheklammern, Putzeimer und Haarbürste.

Für diese im besten Sinne einfache Frau hat Barbal die passende, schlichte Sprache gefunden. Jungmädchenhaft berichtet Conxa von der Liebe zu Jaume; freudig verkündet sie die Geburt dreier Kinder; nüchtern referiert sie die Erschießung ihres Manns im Spanischen Bürgerkrieg.

Das große Weltgeschehen ist nur präsent, wenn es eingreift in die Existenz der Protagonistin. Die blickt darauf aus der dreifachen Außenseiterperspektive der Frau, der Landbevölkerung und der katalanischen Minderheit. Eine Sicht, die diese Inszenierung konsequent durchhält.

Leise Töne überwiegen, laute Aufschreie sind die Ausnahme. Dies zwingt zu konzentriertem Hinhören und erfordert die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Dass der Saal nicht ganz so gut gefüllt ist wie bei der einen oder anderen Klassikervorstellung in der Reihe „Theateressenz“, ist wohl der Wahl des wenig bekannten Stücks geschuldet. Die Anwesenden bereuen ihr Erscheinen aber nicht. Und belohnen die anrührenden Darstellerinnen mit ausdauerndem Applaus.

Quelle: op-online.de

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