Stelldichein der Generationen

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Die 1982 geborene Absolventin Rebecca Thomas zeigt unter anderem dieses Vanitas-Stillleben mit Laptop.

Offenbach öffnet ein neues Fenster zur Welt der Kunst: Der junge Kunstraum orth zeigt in seiner zweiten Ausstellung Malerei, Fotografie, Film und Objekte von Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Von Carsten Müller

Kuratiert wurde die Schau mit fünf künstlerischen Positionen von der Karlsruher Galeristin Margit Haupt. Es ist ein Aufeinandertreffen von Generationen. Auch künstlerisch spannt sich ein weiter Bogen, der die Wiederbegegnung mit Farbflächenmalerei ebenso umfasst wie die Bildhauerschule eines Stephan Balkenhol.

Tinka Stock ist eine Schülerin von Stephan Balkenhol.

Dessen vielseitige Meisterschülerin Tinka Stock (Jahrgang 1973) ist mit einem Stop-Motion-Film, Zeichnungen und Installationen vertreten, die makabre Züge tragen. Weltuntergangsstimmung im Duell von Mensch und Natur verbreitet eine großformatige Schwarzweiß-Zeichnung. Die blutigen Folgen eines Blitzschlags setzt ihr Animationsfilm in gewitzter Dramaturgie in Szene, die bis ins Feinripp-Unterhemd detailreiche Darstellung eines tätowierten Arbeiters auf einer Kiste Rothaus-Bier vereint Perfektion mit Ausdruckswillen.

Nebenan zeigt Rebecca Thomas (Jahrgang 1982) die fotografisch perfekte Simulation eines barocken Vanitas-Stilllebens, allerdings lässt sie Laptop, Tierschädel und Schriften der Aufklärung als Symbole sprechen. An der Nähe zur Abstraktion bewegen sich ihre „Bodycopies“, großformatige Schwarzweiß-Arbeiten, die Körpersequenzen in extremen Helldunkel-Kontrasten inszenieren.

Bis 4. Juli im Kunstraum orth, Frankfurter Straße 59. Geöffnet: Samstag und Sonntag von 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung unter S 069 810044

Nicolas Pontow (Jahrgang 1975), Meisterschüler von Franz Ackermann, setzt in abstrakten Großformaten Pigmente auf die rohe Leinwand. In tachistischer Manier ziehen vereinzelte Farb-Satelliten ihre Kreise um eine imaginäre Bildmitte. Das Auge wird von diesem konzentrischen Sog erfasst, zumal nur selten Gegenständliches den Blick zu lenken vermag.

Absolvent und nun Dozent im Badischen ist Axel Heil (Jahrgang 1965), der seine Malerei am Computer generiert, dabei in großformatigen Digitalprints Motive der Alltagswelt irritierend umarbeitet. So ist aus seinem Stillleben der gelben Luftballons ein wenig die Luft raus.

Schließlich Roland Ranz (Jahrgang 1957), der Farbflächen mit Akribie zu beleben versteht. Ihre Spannung beziehen seine in gedeckten Farben gehaltenen Werke nicht nur aus innigem Tanz von Linie und Fläche. Zarter Strich, pastose Ballungen und gewischte Sequenzen wechseln ab, scheinbar Altbekanntes in neuer Interpretation.

Quelle: op-online.de

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