Stets den Alltag im Blick

Franziska Beckers Kommentar zum ständigen Kommunikationswahn

Ihre Bewerbungszeichnung war nicht mit Pinsel oder Stift, sondern mit Kugelschreiber ausgeführt. Erstaunlich für eine Kunststudentin, die in Karlsruhe bei dem berühmten Maler Markus Lüpertz studierte. Trotz des ungewöhnlichen Handwerkszeugs hatte die Bewerbung aber Erfolg. Von Christian Riethmüller

Als Alice Schwarzer Anfang 1977 ihre heute legendäre Zeitschrift „Emma“ gründete, war Franziska Becker als Cartoonistin von Anfang an mit dabei.

Wie die 1949 in Mannheim geborene Becker einmal sagte, verlor sie an der Akademie den Spaß an der Kunst und macht sich deshalb seitdem mit der Kunst einen Spaß. Mit welchem Ergebnis und welchem Erfolg, das lässt sich nicht nur in mittlerweile 19 Büchern, sondern auch in unzähligen Postern, Kalendern und Buchillustrationen betrachten. Eine erkleckliche Auswahl ihrer Arbeiten ist derzeit im Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt zu bewundern, wo unter dem Titel „Letzte Warnung“ bis zum 19. September gut 300 Exponate von Deutschlands bedeutendster Cartoonistin und Karikaturistin ausgestellt werden.

„Franziska Becker – Letzte Warnung“, bis 19. September im Caricatura Museum für Komische Kunst, Weckmarkt 17, Frankfurt. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch 10 bis 21 Uhr. Zur Schau ist ein Katalog erschienen.

Nicht nur der sprichwörtlich gewordene „feministische Alltag“ wird mit einigem Genuss seziert, sondern nachgerade eine Chronik der Bundesrepublik Deutschland seit den späten 1970er Jahren aufgeblättert. Becker nahm stets die Szene aufs Korn, der sie sich selbst zugehörig fühlte, und skizzierte mit Witz, Ironie, aber auch viel Sympathie die Unternehmungen und Verfehlungen der Studenten-, der Alternativ- und vor allem der Frauenszene. Ihr Humor gilt vor allem ihrem eigenen Geschlecht. Denn Becker weiß nur zu gut, dass der wirklich große humoristische Zeichner nicht nur seine Feind-, sondern auch sein Freund(innen)bilder beherrschen muss.

Diese meisterhaft gezeichneten Werke bergen nicht nur eine, sondern oft ganz viele Einzelpointen, die das Betrachten zu einem länger andauernden Vergnügen erheben. Kein Wunder also, dass Becker die einzige Zeichnerin ist, der mit „Feminax und Walkürax“ eine feministische Parodie auf „Asterix“ gestattet wurde, ohne dass dessen Schöpfer Uderzo sein Veto eingelegt hätte.

Neben diesen bekannten Arbeiten zeigt die sehenswerte Schau auch Beckers malerisches Werk und gewährt einen Einblick in ihre Skizzenbücher.

Quelle: op-online.de

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