Stimme des Herzens

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Wenn der böse Klingsor (Victor Tremmel) lacht – dann, o Parzival (Nils Kahnwald), gute Nacht!

Frankfurt - Zahlreiche Stimmen wispern und reden in Parzivals Kopf durcheinander. Jede sagt, will, rät, mahnt etwas anderes. Aus einem solchen Chor die Stimme des Herzens zu hören, ist nicht so leicht. Wie das auf der Bühne aussieht, konnten die Zuschauer im Schauspiel Frankfurt erleben. Von Astrid Krause

Das erlebt der junge Mann in „Roter Ritter Parzival“ nach Wolfram von Eschenbach. Da kämpfen die Worte der Mutter gegen die von Kundrie, das Mitleid gegen (vermeintliche) Gebote der Ritterlichkeit, das Gute gegen das Schlechte. Ganz schön verwirrend; umso mehr, wenn man vor einer riesigen Aufgabe steht: Parzival ist auserwählt, den Gral zu finden. Da Gralshüter Amfortas eine Wunde hat, erhält der Gral seine Kraft nur zurück, wenn Parzival in der Lage ist, Mitleid zu zeigen.

Doch das kann er nicht sofort. Zum einen wendet „das Böse“ Tricks an, um Parzival vom richtigen Weg abzubringen. Zum anderen entdeckt er die Welt, ist beeindruckt von Rittern und Rüstungen. Vor allem aber ist er Mensch und Junge. Und die bauen manchmal Mist. Um zu der Einsicht zu gelangen, muss Parzival Abenteuer bestehen – und Fehler machen ...

Plädoyer für Herzensstimme

Mit Dramaturgin Nora Khuon hat Regisseur Markus Bothe den mittelalterlichen Stoff in eine moderne Fassung gebracht, die ein Plädoyer für Herzensstimme und Fehlermachen ist sowie humorvoll mit Vorstellungen von ritterlichem Verhalten und letztlich von Männlichkeit spielt.

„Roter Ritter Parzival“ ist in Bothes Inszenierung als spannendes, temporeiches Weihnachtsmärchen im Schauspiel Frankfurt zu sehen. Nils Kahnwald spielt Parzival, der das Richtige will, aber im entscheidenden Moment das Falsche tut. Behütet und fern von anderen Menschen aufgewachsen, wird er im roten Norwegerpulli auf die Suche nach dem Gral geschickt.

Dass es mit der Welt, der das Mitleid abhanden gekommen ist, in welcher der Gralshüter fast verendet, nicht zum Besten steht, zeigen die surreal-poetischen Bühnenwelten von Robert Schweer. Parzival, Arthus (Roland S. Blezinger), Gawain (Torben Kessler) und ihre Mitstreiter suchen, fliehen und kämpfen in Hinterhöfen, einer schneebedeckten Bildergalerie oder einem schimmeligen Treppenhaus und schlüpfen oder krabbeln durch ein Boot oder einen Schrank von einer Szene zur nächsten.

Figuren mit Charakter

Dabei sind diese Abenteuer so spannend wie komisch. Sämtlichen Figuren wurden menschliche Makel und Verhaltensweisen auf den Leib geschrieben und inszeniert: Ritter, die sich in ihren Rüstungen verhaken oder vor anderen ihre Ritterlichkeit herbeiflunkern, um ihre Schwäche zu kaschieren. Sich aufplusternde Männer, die von einem Mädchen gerettet werden. Und dann hat der böse Klingsor (Viktor Tremmel), Gegenspieler von Amfortas, mit Kundrie (Mathis Reinhardt) eine herrlich verpeilte Mitstreiterin, die Namen, Wege, Zusammenhänge vergisst. Am Ende begeisterter Beifall für eine mitreißende Inszenierung.

Nächste Vorstellungen am 19., 22., 23., 29. und 30. November

Quelle: op-online.de

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