Stimmlich schon wahrhaftig eine Heroine

Elza van den Heever mit Elsas Brautkleid Foto: Bernd Georg

Elza singt Elsa: Das sei der Lieblingswunsch ihrer Gesangslehrerin gewesen, sagt Elza van den Heever. Er geht an der Oper Frankfurt in Erfüllung, wo die südafrikanische Sopranistin in Richard Wagners „Lohengrin“ ihr Rollendebüt gibt. An den Main kehrt Michael König zurück, der die Titelpartie in Jens-Daniel Herzogs Neuinszenierung singt.

Die Leitung hat der Franzose Bertrand de Billy, Chefdirigent des Radio-Symphonieorchesters Wien. Premiere ist am Sonntag, 3. Mai, um 17 Uhr.

„Wir haben sie gerade noch rechtzeitig verpflichtet“, freut sich Intendant Bernd Loebe. Voller Lob für die junge, mittlerweile viel gefragte Sängerin, die seit November 2008 Ensemblemitglied ist und Publikum wie Kritik bei ihrem fulminanten Debüt als Giorgetta in Puccinis „Il trittico“ begeisterte. Und jetzt „Lohengrin“: Eine schwierige Rolle sei Elsa, „ich habe Zeit gebraucht, um ihren Charakter zu verstehen“, sagt van den Heever. Sie strahle Schönheit und Unschuld ab, müsse aber ständig kämpfen – gegen den üblen Vorwurf, ihren Bruder getötet zu haben, für ihre Liebe zum Gralsritter, der ihr im Traum erscheint.

Aus dieser Vision entwickle Herzog (er hat schon Wagners „Meistersinger“ und den „Tannhäuser“ inszeniert) seine moderne Deutung, eher ein Alptraum, weiß van den Heever. Von Anbeginn sei klar, dass Elsa nie mit Lohengrin glücklich werden könne. Auch in Frankfurt ist der Schwan, der den Ritter aus himmlischen in menschliche Sphären geleitet, zu vernachlässigen. Bei Herzog erscheine Lohengrin wie im Fantasyfilm, um Elsa zu schützen, so Elza. Unglücklich Liebende scheinen ihre Spezialität. Daran herrscht in Opernlanden bekanntlich kein Mangel.

Ihre erste große Partie war Mozarts leidende Donna Anna („Don Giovanni“), in Frankfurt ist sie als Verdis Elisabeth von Valois („Don Carlo“) und nächste Saison als Donizettis „Anna Bolena“ zu erleben, alles Rollendebüts. Strauss’ Marschallin („Rosenkavalier“), Puccinis „Tosca“ und Bellinis „Norma“ wären erwünscht. „Ich liebe es, auf der Bühne zu weinen, ich liebe Charaktere, die vom Glück verlassen sind“, gesteht van den Heever; es falle ihr leicht, traurig zu sein. Kaum glaublich bei einer Frau, deren Fröhlichkeit ansteckt und die als Model Karriere machen könnte. Doch permanent im Rampenlicht zu stehen wie so manche Diva, das ist (noch) nicht ihr Ding.

Als Drilling wurde sie in Johannesburg in eine kreative Familie geboren, Vater und Mutter mit Film und Fernsehen befasst. Ihre beiden Brüder sind als Künstler und Fotograf tätig. Früh mit einer starken Stimme gesegnet, eine vom Großvater geerbte Begabung, erhielt sie 16-jährig Gesangsunterricht. Ihre angeborene Schüchternheit habe sie spontan auf der Bühne abgelegt, die ihre Welt wurde – nach Studien im kalifornischen San Francisco bei Sheri Greenawald, mit der sie noch heute neue Rollen einstudiert.

Denn eine gute stimmliche Basis sei wie das Fundament eines Hauses, glaubt Elza, die sich für ihre Kräfte zehrenden Partien mit viel Koloraturgesang fit hält und sich beim Malen entspannt. Frankfurt sei eine blitzartige Liebesaffäre, versichert der angehende Weltstar. Sie sei stolz, an der Oper arbeiten zu dürfen. Dabei wird sie ihre Lieblingsrolle, die Mimi in Puccinis „La Bohème“, wohl nie singen dürfen. „Dafür bin ich einfach zu groß“, gesteht Elza mit entwaffnendem Lächeln. In der Tat dürfte es schwierig sein, einen Rodolfo zu finden, der sie überragt. Eher schon einen Siegfried. Vielleicht in Bayreuth! KLAUS ACKERMANN

Quelle: op-online.de

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