Rumpenheimer Kunsttage

Stoff für Entdecker

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Hagen Bonifer bespielt die Rumpenheimer Schlosskirche mit einer begehbaren Installation und einem Deckengemälde.

Offenbach - Die Rumpenheimer Kunsttage laden an diesem Wochenende zum Rundgang ein. Dabei treten 30 Künstler im und um das Rumpenheimer Schloss zum produktiven Dialog an zwischen angewandter und freier Kunst, begleitet von Musik und Performances. Von Reinhold Gries 

Bis zum 2. Oktober zu sehen ist die ambitionierte Installation „Höhlenschätze. Bergungen“ des Mühlheimers Hagen Bonifer in der Schlosskirche. Der Maler und Bühnenbildner kleidet den barocken Sakralraum mit 13 literarisch-philosophischen Texten zur „Kaaba“ aus, die in weißen handgeschriebenen Lettern auf schwarzen Fahnen zum Leuchten gebracht werden. Über den „archaisierten Kunst- und Handlungsraum“ wölbt Bonifer ein gemaltes „Eros“-Großformat wie ein Deckenfresko. Das kann auch Reiner Michels hier gespielten Kompositionen guttun, der Lyrik und Musik von Katharina Eismanns Gruppe „Wortklang“ oder Bernd-Michael Lands quadrophonischer Musik „Das Lächeln der Bäume“.

Gegenüber im „ruk“-Mausoleum bringen Martin Britsch, Stephan Adloff und Sven Eismann Skulpturen und Objekte durch Licht in Bewegung und betreiben eine „Nightmove“-Bar. In Schloss-Tiefkellern wie im Schlosshof setzt man auf Bewährtes. Bildhauerei von Lothar Steckenreiter und Stephan K. Müller wie Objekte von Hannes Metz vereinen sich zum Skulpturenpark, der in Wilhelm Hardts Materialbildern und Plastiken im Gewölbe Fortsetzung findet.

Verfremdungen und Bild-Aphorismen

Johanna K. Eichhorn zeigt abstrakte Malerei.

In den stimmungsvollen Kellerräumen trifft man auch auf surreale Kunst wie Uwe Schramms fotografische Verfremdungen und Bild-Aphorismen oder Matthias Peinelts dadaistische Grafiken und Handpuppen, mit denen auch gespielt wird. Im Schloss-Casino zeigt Andrea Plefka neue Aquarelle wie „Listen“ und „Fernes Licht“ neben Lucie Heirichs Fotoserie „Wasser“. In ehemaligen Marstallgebäude in der Schlossgasse gibt es „work in progress“ zu sehen: in der Säulenhalle von Modeschöpferin Lika Schmodsien, im Atelier des Schmuckdesigners Wolfgang Uhl oder bei Grafikerin Jutta Hingst. Wie Schmodsien mit Textilem, Farben und Objekten zaubert und Hingst mit Linien, so verwandelt Uhl etruskische Eisenschmelze, Schotterstein oder grüne Uworit-Granate vom Ural in Kunst, die für sich selber steht.

Wer dazu in der Landgraf-Friedrich-Straße – oder per „Making of“-Auftritt auf ihrer Webseite – erlebt, wie Keramikgestalterin Birgit Palt Porzellanserien mit Spezialhandschuhen aus noch 500 Grad heißem Öfen holt, weiß, wie anstrengend Kunsthandwerk sein kann. Heiß ist´s auch an Chris Reinelts Glasschmelzöfen, deren Inhalt ähnliche Vorlieben für Bauhaus-Kunst verraten wie „Gesägte Geometrien“ in Eberhard Lachers Showroom.

Die Rumpenheimer Kunsttage finden vom 19. bis 21. September rund um das Rumpenheimer Schloss statt. Geöffnet: Samstag 14-19 Uhr, Sonntag 12-18 Uhr. Infos: www.rumpenheimer-kunsttage.de

Malerisches Gewicht erhalten die Kunsttage in Grete Steiners Scheunengalerie mit Beate Hodapps farbkräftigen Abstraktionen aus zermörserten Edelsteinen oder durch Anja Hantelmanns rätselhafte Bildinszenierungen in der Neugasse. Dazu setzt das BIR-Domizil mit Werken von Johanna K. Eichhorn aus dem Kahlgrunddorf Omersbach Glanzlichter. Gäbe es beim Kunstfest einen „artist in residence“, dann verdiente es die Kostümmalerin der Frankfurter Bühnen. Ihre auf Papier oder Glas gemalten, abstrahierten wie expressiv figurierten Themen-Serien „Bewegte Landschaft“ und „Mein Dorf“ traumwandeln meisterlich zwischen Phantasie und Poesie, Erlebtem und Erinnertem.

Quelle: op-online.de

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