Ein Fest für „Lebemenschen“ und andere

Frankfurt - Als „Stoffel“ bezeichnet man ja bekanntlich einen eher ungelenken, verschlossenen, gar unhöflichen Zeitgenossen. Von Christina Lenz

Das Frankfurter Kultur-Sommerfest mit diesen Namen ist das genaue Gegenteil: Munter, offen und bunt geht es traditionell auf diesem außergewöhnlichen Fest im Grünen zu, vom Stalburg Theater nun schon zum zehnten Mal ausgerichtet. Picknicker, Musikfans und Kulturbegeisterte belagern ab dem 12. Juli einen ganzen Monat lang an lauen Sommerabenden einen der schönsten Parks Frankfurts, den Günthersburgpark. 66 Veranstaltungen mit Musik, Kabarett, Lesungen und Theater finden dieses Jahr statt. Für kleine „Stoffelchen“ gibt es jeden Donnerstag ein Kinderprogramm.

Das Festival ist inzwischen nicht nur stadtbekannt, sondern zu einem echten Liebhaber-Fest geworden: „Manche wollen schon im Dezember wissen, wann der nächste Stoffel stattfindet, damit sie ihren Urlaub danach planen können“, erzählt der künstlerische Leiter des Stalburg Theaters, Michael Herl. Geboren sei das Fest nicht als Geschäftsidee, sondern als eine Initiative von Theatermenschen, die auch den Sommer über von der Kultur nicht lassen konnten. „Da unser Theater über den Sommer geschlossen ist, haben wir nach einer Ersatzbeschäftigung gesucht. Unsere Mitarbeiter wollten wir auch nicht einfach für ein paar Monate entlassen. Schon war die Idee zum Stoffel geboren“, erzählt Michael Herl.

Jazz, Country, Folk und andere Musikrichtungen sind seit zehn Jahren dort zu hören. Das Fest bietet eine breite Vielfalt an Musik und Kultur jenseits des Mainstreams: Herbert Huber, der musikalische Leiter, stößt auf die ausgewählten Musikgruppen bei eigenen Konzertbesuchen, durch das Internet und auch mithilfe von Agenturen.

Einmal war ein Musiker aus New Orleans gekommen, eine Band aus Israel war auch schon angereist. Beim Stoffel hat Eva Croissant schon gespielt, als sie von „The Voice of Germany“ noch niemand kannte und es noch keine eigene Platte und Tournee gab. Dieses Jahr ist die Newcomerin ebenso dabei wie die legendären „Develish DoubleDylans“, die schon seit zehn Jahren auftreten.

Die Veranstalter wehren sich dagegen, dass der Stoffel ein Fest für Hippies und Alternative sei. Es kämen „reiche Nordendler“ genauso wie Familien mit Kindern, Banker und Geschäftsleute und natürlich auch viele kulturbegeisterte „Lebemenschen“. Alle vereine die Lust sich bei stilvoller Musik im Grünen zu entspannen.

Das Sommerfest sei ein „Synonym für das Nicht-Kommerzielle“ sagt Petra Gismann, Geschäftsführerin der Stalburg und verantwortlich für Sponsoring und Finanzen. Seit zehn Jahren ist das Fest offen für alle und kostet keinen Eintritt. Stattdessen laufen Helfer mit roten Eimern umher und sammeln freiwillige Spenden ein. Was ein ganz eigenes, nicht-kommerzielles Konzept ist, schadet aber dem Sommerfest bei der Suche nach geeigneten Sponsoren: „Viele gestandenen Kaufleute sehen in einem eintrittsfreien Fest kein rentables Geschäftskonzept.“

90 000 Euro kostet das Fest, nur 15 000 steuert die Stadt zum Kulturereignis bei, den Rest müssen die Veranstalter selbst reinholen. Trotz dieser Widrigkeiten überzeugt das Fest mit einem Kulturprogramm von höchster Qualität. 70 Helfer, unter ihnen viele Ehrenamtliche, stemmen den Stoffel, den besonders in den Stadtteilen Nordend und Bornheim niemand mehr missen will.

Quelle: op-online.de

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