Als Strandgut entsorgt

Zwei Männer auf der Fahrt durch die Nacht. Ihre Ladung ist eine Leiche. Es sind Killer im Auftrag des Staats. Woche für Woche bringen sie einen der afrikanischen Migranten um, die mit Booten nach Spanien kommen. Von Stefan Michalzik

Sie ersäufen ihr Opfer in einer mit Salzwasser gefüllten Badewanne und legen es an einem Strand ab. Auf der Fahrt reden sie ohne Unterlass. In der Box des Frankfurter Schauspiels, dem als schwarzer Kasten hergerichteten neuen Spielort für die Foyer-Inszenierungen, in denen sich vorwiegend Regieassistenten erproben, hat Antú Romero Nunes eine Bearbeitung des Romans „Abgesoffen“ von Carlos Eugenio López inszeniert.

Die Schauspieler Nils Kahnwald, sehr jung, geschmeidig, Feinrippunterhemd, und Oliver Kraushaar, etwas älter, schwarzer Anzug, stehen vor einer Wand, praktisch ohne Distanz zur ersten Zuschauerreihe. Die einzige äußere Zutat, das Licht von Diaprojektoren, ist von eher beiläufigem Charakter. Sie reden und reden. Über sich und über das Leben, was dasselbe ist. Es geht um Frauen, um käufliche einesteils, andererseits um die eine, die man nicht vergessen kann. Sie reden über Hitler, Stalin und die Bibel und darüber, dass nach dem Maßstab des Universums die Welt nicht mehr als ein Fliegenschiss ist.

Weitere Vorstellungen am 9., 19. und 23. Oktober

So hoffnungslos banal das klingen mag, geht es doch um große philosophische Fragen. Schließlich sagt die Banalität viel darüber aus, wie es sich verhält mit dem Leben. Angesichts ihres Tuns plagen den Älteren Skrupel, derweil der andere sich in jugendlicher Unbekümmertheit über die mangelnde Effizienz der seiner Ansicht nach ganz normalen Arbeit grämt und über die Planung eines neuen Holocausts angesichts der „Mohros, die uns den Garaus machen“ nachdenkt.

Der Autor selbst charakterisiert seinen Dialog triftig als platonisch. Da werden im Streben nach Erkenntnis Ideen musterhaft verhandelt, die Figuren sind nur Spielmarken. Regisseur Romero Nunes und sein auch für die sparsam eingesetzten elektroinstrumentalen Einblendungen und fahlen Video-Wandmalereien zuständiger Ausstatter Johannes Hofmann tun gut daran, das Theater auf seine Grundbedingungen zu beschränken: Zwei Schauspieler und nicht viel mehr.

Die beiden sind sehr gut, geben den Marken Fleisch, wahren aber den skizzenhaften Charakter. Ihre Figuren reden sich die Köpfe heiß. Dabei entstehen immer wieder komische Momente, fern schnöder Alberei: Theater als fröhliche Wissenschaft von der Vergeblichkeit!

Quelle: op-online.de

Kommentare