Ein Stück vom Glück weitergeben

Kultur und Finanzwelt sind in Frankfurt traditionell eng verbunden. Das im sogenannten „Tortenstück“ des Wiener Architekten Hans Hollein beheimatete Museum für Moderne Kunst hat aber auch viele private Förderer.

Frankfurt/Berlin - Das Museum für Moderne Kunst (MMK) hat allen Grund zum Feiern. Im 20. Jahr seines Bestehens, das zurzeit mit einer großen Ausstellung begangen wird, fließen der Sammlung großzügige Schenkungen von privater und institutioneller Seite zu. Von Simona Block (dpa) und Carsten Müller

Dies teilte Sprecherin Christina Henneke mit. Unter den Spenden sind Werke von Walter de Maria, Charlotte Posenenske oder das Peter-Roehr-Archiv. Eine 42-teilige Arbeit von Wolfgang Tillmans mit dem Titel „Installation Frankfurt 2011“ kommt von der in Frankfurt ansässigen Ernst-Max-von-Grunelius-Stiftung.

Über ein Viertel der insgesamt 4500 Werke umfassenden MMK-Sammlung beruht auf Schenkungen von Künstlern, Privatpersonen, Sammlern oder Galeristen, wie MMK-Sprecherin Christina Henneke berichtet. Ohne diese Unterstützung sei der erfolgreiche Aufbau des Bestandes in den vergangenen zwanzig Jahren nicht möglich gewesen. „Die Zusammenarbeit ist daher auch in Zukunft von enormer Bedeutung“, zumal es keinen städtischen Etat für Ankäufe gibt.

Drei Millionen Euro stellt die Stadt dem Museum für Personal und Unterhalt zur Verfügung. Über eine Million steuern Partner, Firmen und Privatpersonen bei, ohne die das MMK seinen öffentlichen Auftrag als Museumseinrichtung nicht erfüllen könnte, wie Henneke erläuterte. Zu den selbst erwirtschafteten Einnahmen, etwa aus dem Verkauf von Eintrittskarten, kämen weitere von Stiftungen und anderen öffentlichen Institutionen, beispielsweise um Ausstellungen zu finanzieren, für die es ebenfalls kein städtisches Geld gebe. Das MMK hat verschiedene Programme für Mäzene und Sponsoren, für private und geschäftliche Förderer aufgelegt, um beispielsweise Ankäufe zu finanzieren. Für Einzelpersonen interessant ist der Kreis der „Freunde des MMK“, im sogenannten „Partnerprogramm“ verpflichten sich Sponsoren drei Jahre lang einen Betrag von 40 000 Euro jährlich zu zahlen. Die Stadt Frankfurt legt dann noch einmal dieselbe Summe drauf. Im „9+10+11-Fonds“ legen sich Spender fest, innerhalb von drei Jahren 30 000 Euro für Ankäufe bereitzustellen. Das MMK hat mit diesen überregional beachteten Programmen Erfolg.

Sogenannte Drittmittel sind aus den Etats von Museen, Theatern und Orchestern nicht mehr wegzudenken. Waren es in vergangenen Jahrhunderten überwiegend Vermögende, die Künstler und Sammlungen unterstützten, tragen nun vermehrt Stiftungen, Vereine und Freundeskreise Verantwortung. Weil die öffentliche Hand spart, ist die Hilfe aus der Gesellschaft unentbehrlich für den Erhalt der kulturellen Substanz und die Entwicklung von Kultureinrichtungen. Stiftungen und Sponsoren sorgen für Aufführungen in Opern, hochkarätig besetzte Festspiele, die Ausbildung musikalischen und künstlerischen Nachwuchses, bedeutende Ausstellungen oder Restaurierungen. Sie finanzieren Forschungsprojekte, Stipendien, Kompositionen oder geben Sammlungen in öffentliche Hände.

„Ohne Drittmittel könnten manche Museen keinen Ankauf tätigen“, sagt der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Volker Rodekamp. Sammler wie die Pietzschs oder Flick gaben ihre einzigartigen Kollektionen oder Teile davon als Leihgaben oder Schenkungen in Museen. Andere wie Heinz Berggruen oder Frieder Burda sorgten zugleich für deren angemessene Unterbringung. „Es ist wichtig, sein Glück auch weiterzugeben“, sagt Burda.

„Mäzene in klassischem Sinne verlangen in der Regel keine direkte Gegenleistung und erwarten keinen geschäftlichen Nutzen“, weiß Rodekamp. Diese selbstlosen Gönner treibe meist die Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt und die Affinität zur Kunst. „Wir brauchen die Kooperationen zwischen privaten Sammlern und öffentlichen Museen“, sagt Kulturstaatsminister Bernd Neumann. „Mäzenatentum ist für uns alle und in aller Regel ein Glücksfall.“

Quelle: op-online.de

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