Temporeiches Stück von Heinz Erhard

Das hat man nun davon

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Thorsten Hamer spielt den Finanzbeamten Willi Winzig, Christine Richter verkörpert Frau Weguscheit.

Frankfurt - Heutzutage ein Heinz-Erhard-Stück auf die Bühne zu bringen, ist aus zwei Gründen ein Risiko. Zum einen, weil kaum jemand an den unvergessenen Komiker mit seinem wunderbaren Wortwitz heranreicht. Von Maren Cornils

Zum anderen, weil die, den Zeitgeist der 60er und 70er Jahre widerspiegelnden Erhard-Komödien heute immer etwas antiquiert wirken. Pia Hänggi (Regie) und Thorsten Hamer (Willi Winzig) freilich ist mit „Das hat man nun davon“ in der „Komödie“ ein Glückstreffer gelungen. Mehr noch: Ihr Stück um den kurz vor der Pensionierung stehenden Finanzbeamten Willi Winzig, der plötzlich gegen die Obrigkeit aufbegehrt, ist ein bis in die Nebenrollen perfekt besetztes, launiges Meisterwerk, das die Zuschauer fabelhaft unterhält.

Willi Winzig (Thorsten Hamer) hat noch eine Woche bis zu seiner Pensionierung, dann endlich kann der biedere Finanzbeamte seiner trostlosen Amtsstube und dem humorlosen Chef, Herr Dolleschall (als wunderbar sächselndes Sparbrötchen: Steffen Wilhelm), Adieu sagen und braucht sich auch nicht mehr vor den Avancen der liebestollen Sekretärin Frau Weguscheit (Christine Richter) zu fürchten. Sieben Tage, die Winzig mutig machen: Um der von ihm verehrten Dr. med Sigrid Kubin (Verena Wüstkamp) zu imponieren, haut Willi verbal mächtig auf den Putz, rechnet mit seinem steifen Chef ab - und hat plötzlich, ohne sich zu versehen, ein Disziplinarverfahren am Hals.

Irrsinn als Karriere-Turbo

Nur gut, dass es seinen Kollegen, den smarten Dr. jur. Senn (Jens Hajek), gibt. Der nämlich rät Willi, sich verrückt zu stellen, um für unzurechnungsfähig erklärt zu werden, und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Denn Willi hat die Rechnung ohne Minister Kuhländer (René Touissant) und Alcaly dy Buertos (Ivan Gallardo) gemacht. Ersterer ein Landwirtschaftsspezialist, der im Ämterpoker versehentlich auf dem Posten des Finanzministers gelandet ist und nun versucht, Kompetenz zu heucheln. Zweiter der zu kurz geratene Konsul einer Militärdiktatur, der einen Dummen sucht, um sein angeblich mittels Rübenexport verdientes Geld zu waschen.

Kaum nämlich zieht Willi alle Register und legt einen durchgeknallten Auftritt nach dem nächsten hin, ist ihm auch das Glück hold: Dr. Kubin liegt ihm im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen, Alcaly dy Buertos ernennt ihn zum Ehrenbürger und der Minister zu seinem Retter. Kurzerhand wird Willi zum Amtsrat befördert und muss feststellen: Irrsinn ist im Beamtenleben ein echter Karriere-Turbo. Pech nur, dass sich Willi als frisch gebackener Amtsrat auf seinen Menschenverstand besinnt, denn der ist in diesem Irrenhaus namens Finanzministerium so gar nicht angesagt.

Tollpatschiger „kleiner Mann“

Thorsten Hamer, der bereits einmal in der „Komödie“ mit einer Heinz-Erhard-Revue auf der Bühne stand und den kleinen großen Spaßmacher schon damals täuschend echt zu imitieren verstand, brilliert – seiner Erhard-untypischen Körpergröße zum Trotz - auch diesmal als tollpatschiger „kleiner Mann“, der zwar das Herz am rechten Fleck hat, ansonsten aber in alle Fettnäpfchen tritt, die das Leben für ihn bereithält. Mit leiernder Stimme, ungelenker Gestik und Quasimodo-Buckel gibt er mit Bravour den unscheinbaren Naivling – und kassiert völlig zu Recht immer wieder einen tosenden Zwischenapplaus. Denn, und das zeigt Hamers Können: Der Wuppertaler geht zwar völlig in seiner Rolle auf. Er geht in ihr jedoch nicht unter, sondern versteht es, selbst auf einen Heinz-Erhard-Gag noch eine Pointe oben drauf zu setzen.

Was „Das hat man nun davon“ so paradox und zu einem genialem Theaterspaß macht: Je irrwitziger sich Winzig aufführt, desto größer ist die Anerkennung seiner Umgebung. Ein extrem temporeiches, mit Meisterhand besetztes Absurditäten-Kabinett, in dem Hamer seinen Kollegen schlichtweg die Schau stiehlt. „Das hat man nun davon“ ist noch bis 29. Juni in der Komödie zu sehen.

Quelle: op-online.de

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