Schweizer Duo „Ohne Rolf“ in der Frankfurter Käs

Stumme Wortkunst

Frankfurt - Kann Kabarett ohne Worte auskommen? Es kann. Sehr gut sogar, wie das Schweizer Duo „Ohne Rolf“ in der Käs beweist. Von Maren Cornils

Fast zwei Stunden lang liefern sich Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub ein wortreiches, aber stummes Duell, in dem der Witz zwischen den Zeilen und in den Gesichtern der beiden Komiker abzulesen ist.

Blatt für Blatt, Seite für Seite arbeitet sich das Duo in „Blattrand“ durch sein auf einer so simplen wie wirkungsvollen Idee beruhendes Programm. Mag auch die Stimme als Medium und Instrument zur Variation und Betonung des Geschriebenen wegfallen. Auf unterschiedliche Lautstärken, Ton- und Stimmungslagen verzichten müssen Wolfisberg und Anderhub deshalb noch lange nicht. Ein übergroßes „Hallo“, ein kleines, an den Blattrand gequetschtes „Bist Du böse?“, ein fragend-verwackeltes „Jonas. . .“ - an Schriftgröße und -art erkennt der Zuschauer schnell, welche Stimmlage er sich dazu denken muss. Eine gute Portion Fantasie freilich muss besitzen, wer eine Show von „Ohne Rolf“ besucht. Ebenso Geduld, denn wer auf schnelle Pointen und einen temporeichen Schlagabtausch aus ist, ist bei dem Duo falsch. Der Humor ist eher feinsinnig bis Schweizerisch zurückhaltend.

Es wird massenweise Papier verspeist und verzweifelt um Worte gerungen. Mal wird so getan, als habe man vor lauter Tollpatschigkeit die Ordnung der rund 1 000 Seiten durcheinandergebracht, dann wieder geht das Duo mit Kescher und Gummihandschuhen auf Gedankenfang. An Ideen, das zeigt sich schnell, sind die beiden Komiker nicht arm. Genau diese Kreativität braucht es, um ein Publikum der wenig abwechslungsreichen Dramaturgie zum Trotz über zwei Halbzeiten lang zu fesseln. Wer gedanklich ein paar Sekunden abdriftet, verliert den Faden, schlimmstenfalls sogar die Pointe

„Blattrand“ ist Wortkunst für alle, die noch Muße haben. Ein perfekt durchchoreografierter Abend, der zu einem guten Teil von der unkonventionellen Idee lebt, darüber hinaus aber ganz wesentlich von den beiden ausdrucksstarken (Panto-)Mimen getragen wird.

Quelle: op-online.de

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