Subtiler Kunst-Horror

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Kaia Hugins Videoarbeit, „Motholic Mobble part 3“, 2009

Frankfurt - Das Ende ist gewiss: Der menschliche Körper ist sterblich. Die Ausstellung „Der Tod ist Dein Körper“ im Frankfurter Kunstverein erklärt die sterbliche Hülle des Menschen zum künstlerischen Material. Von Eugen El 

Es ist ein Thema, mit dem man sich selten freiwillig beschäftigt: der Tod. Der Umgang mit dem toten Körper ist ein Aspekt, über den sich eine Ausstellung im Frankfurter Kunstverein diesem Thema nähern möchte. Unter dem Titel „Der Tod ist Dein Körper“ sind 14 zeitgenössische künstlerische Positionen versammelt, die den toten Körper als Material nutzen oder seine bildliche Darstellung thematisieren, um unsere Vorstellungen vom Tod anzusprechen.

Sehr reduziert und fast schon friedfertig wirkt eine Installation der 1963 geborenen, mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles auf den ersten Blick: eine aus mehreren Teilen zusammengesetzte, etwas fleckige Schnur ist über die gesamte Länge eines Raums gespannt. Umso heftiger fällt der Schauder aus, wenn man erfährt, dass es sich um Autopsiefäden handelt, die aus sezierten Leichen entfernt wurden und Spuren von Körperflüssigkeiten und Blut aufweisen. Die buchstäbliche Leichtigkeit des Materials kontrastiert mit der enormen Schwere seiner Vorgeschichte.

In zwei kurzen Videofilmen, die Teil einer größeren Werkgruppe sind, führt die norwegische Künstlerin Kaia Hugin Bewegungsabläufe aus, die mit dem Tod assoziiert werden können. In „Motholic Mobble part 3“ gräbt sich die Künstlerin mit kreisenden, zwanghaft wirkenden Bewegungen in die Erde. Nicht minder verstörend das zweite Video, in dem Hugin eine rhythmische Bewegung wiederholt, die an den Kontrollverlust eines sterbenden Körpers denken lässt.

Der tote tierische Körper ist Ausgangspunkt für die 1964 geborene, belgische Künstlerin Berlinde De Bruyckere. In einer offenen Vitrine, die aus einem Naturkundemuseum stammen könnte, zeigt sie zwei ausgestopfte, ineinander verschränkte Pferdetorsos. Formal anmutig und skulptural beeindruckend, entfaltet diese Arbeit einen subtilen Horror. Im selben Raum sind rätselhafte Objekte zu sehen, die an tierische Körperteile oder Innereien erinnern, dennoch nicht eindeutig zuzuordnen sind. Es sind reine Kunstobjekte, auch wenn sie irritierend echt anmuten.

Irritierend echt: Berlinde De Bruyckere hat einen Raum mit Kunstobjekten eingerichtet, die an tierische Körperteile erinnern.

Viele der ausgestellten Arbeiten setzen auf Rätselhaftigkeit und Ambivalenz. „Der Tod ist Dein Körper“ ist eine wuchtige Schau, die den Betrachter mit einer oft verdrängten Konstante des Lebens konfrontiert. Dies geschieht ohne offensichtliche Schockeffekte und dennoch sehr wirksam. Ein interdisziplinäres Begleitprogramm vertieft die Auseinandersetzung mit dem Thema: Es geht um Aspekte wie die Krise der Organspende oder neue Tendenzen in der Bestattungskultur.

Quelle: op-online.de

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