Suche nach Prometheus

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Viel Text, wenig Tanz im Depot.

Frankfurt - Radio Mythic Theater im Bockenheimer Depot: Ein Abend, der in seine verschiedenen Elemente aus Text, Geräuschen, schwarz gekleideten Menschlein und drei bunten Göttern zu zerfallen scheint. Von Astrid Biesemeier

Prometheus brachte den Menschen das Feuer und erzürnte den Göttervater Zeus dadurch so sehr, dass dieser ihn an einen Felsen im Kaukasus schmieden ließ. Warum allerdings Zeus’ Tochter Athene Prometheus bei der Feuervergabe half, dieser Frage hat sich nun Dana Caspersen, Tänzerin der Forsythe Company, in ihrer Choreografie „Radio Mythic Theater“ gewidmet, die nun als Neufassung und Frankfurt-Premiere im Bockenheimer Depot zu sehen ist.

Eine Frage, die Caspersen zunächst einmal in einem von ihr geschriebenen Text erkundet hat, der ihre Choreografie unterfüttert. Oder vielmehr dominiert. Denn Caspersen, die den Text gemeinsam mit Tänzer Richard Siegal eingelesen hat, ist in der knapp einstündigen Inszenierung als Sprecherin so präsent, dass sie einer Sirene gleich mit ihrer sehr schön klingenden Stimme den Betrachter zum Zuhören verführt und so den einen oder anderen möglicherweise auf eine ganze falsche Spur, nämlich die sehr sorgfältig gearbeitete Tonspur bringt.

Kommentare in Radioreportermanier

Unweigerlich folgt man den in bester Radioreportermanier eingesprochenen Kommentaren und sucht nach der tänzerischen Umsetzung. Suggeriert doch die Übermacht des Textes, dass er lediglich als Anweisung zum sehr reduzierten und nur wenige Bezüge zwischen den Tänzern herstellenden Bühnengeschehen zu verstehen ist, zumal sich momentweise gesprochenes Wort und Aktion decken.

Wer ist also wer? Die vier in Schwarz gekleideten Tänzer, die sich auf vier roten Matten hin- und herwälzen, sind offenbar die Menschen, denen Prometheus das Feuer bringen wird, damit sie, die mutmaßlich zum Dasein in der Horizontalen verdammt sind, sich erheben können.

Silvestrin hält den Abend zusammen

Aber wer ist hier überhaupt Prometheus? Ist es Alessio Silvestrin, der – Forsythes’ tänzerisches Erbe vorführend – Bewegungen in einzelne Teile zerlegt? Oder ist es Emmanuel Obeya, der zweimal auch singend die Bühne betritt und mit seinem Gesang von „I Can't Stand The Rain“ und „Ain't No Sunshine“ den Abend wie eine Klammer zusammenhält? Einen Abend, der in seine verschiedenen Elemente aus Text, Geräuschen, schwarz gekleideten Menschlein und drei bunten Göttern zu zerfallen scheint.

Wer wissen möchte, warum Athene schließlich Prometheus einlässt, muss schon der Textfassung (übrigens in englischer Sprache) lauschen. Auf der Bühne findet man die Antwort nicht. Schade. Dennoch freundlicher Applaus, in dem auch ein paar Bravos zu vernehmen waren.

Weitere Termine

Weitere Aufführungen am 7. und 8. November.

Quelle: op-online.de

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