Neue Arbeiten von Christof Kohlhofer in der Offenbacher Galerie Thomas Hühsam

Süffisantes in Sachen Liebe

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„A Carrot 4 Jane Russell“ von Christof Kohlhofer.

Offenbach - Das Leben zwischen Deutschland und den USA hat Christof Kohlhofer eine außergewöhnliche Sicht der Dinge beschert. Von Carsten Müller

Speziell ist vor allem sein Blick auf die amerikanische Gesellschaft, deren zweifelhafte Errungenschaften, Widersprüchlichkeiten und Abgründe der 1942 in Frankfurt geborene und an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Künstler in seinen Pop-Art-nahen Spraypaints aufgreift.

Für seine aktuelle Ausstellung in der Offenbacher Galerie von Thomas Hühsam mit dem etwas sperrigen Titel „BaBa rARA CUcU dADa“ (was man als verschlüsseltes „Barracuda“ lesen könnte) hat er neue Werke angefertigt, die aufschlussreiche Einblicke in das Seelenleben des mittlerweile 71-Jährigen erlauben. Nachdenklich wirken einige der eigens für die Schau konzipierten Arbeiten. Plakativ zwar, aber nicht unbedingt unerbittlich anklagend wie in früheren Jahren.

Amerika ist stets präsent

Selbstironie schwingt mit, wenn sich der sechsjährige Christof auf einer 130 mal 200 Zentimeter großen Leinwand als kurzbehoster ABC-Schütze porträtiert, unsterblich verliebt in die Hollywood-Sexbombe Jane Russell. Der Kopf in Flammen, die Schultüte zur Karotte mutiert, schemenhaft marschieren Soldaten auf.

Amerika ist stets präsent, seine Kommerzkultur ebenso wie die kriegerische Seite. Daran arbeitet sich Kohlhofer in immer neuen farbkräftig-psychedelischen Bildfindungen ab, etwa in dem titelgebenden Comic-haften Stück, auf dem bewaffnete Gurken und Ku-Klux-Klan-Masken vor einem mit Blut übergossenen Erdball paradieren. „We Cover The Earth“ lautet der typografische Kommentar. Einen starken formalen Kontrast bildet das darüber hängende malerisch-romantische Großformat „Madonna Explaining The Birds To An Alien Child“ (1999).

Sex ist eine Konstante, doch Kohlhofers wilde Zeiten scheinen vorüber. Sein weiblicher Akt scheint in Auflösung begriffen. Rotglühend brechen Hautpartien der liegenden Schönheit auf. Der Liebesakt vor Quadratraster wirkt kühl wie eine anatomische Studie. Unter farbig-abstrakte Schlieren wirkt das Schwarzweißfoto einer Frau mit seinen funkelnden Spitzlichtern wie ein Traumbild.

Amüsantes auf Häkeldeckchen

„Wenn ich Dich eher gekannt hätte, wäre ich mein eigener Vater“, lautet der süffisante Titel des Dyptichons, dessen zweiter Teil eine Geburtsszene in eine Art Tarantino-Splattermovie verwandelt. Den Humor in Liebesdingen hat er sich zweifellos bewahrt: „Home is where the Bra comes off“ textet er auf dem Häkeldeckchen-braven „Fine Kitchen Piece“, das auf roher Leinwand einen liebevoll umstickten, rosafarbenen Büstenhalter zeigt.

Selten war so viel grobes Leinengewebe zu sehen. Der unbearbeitete Malgrund erschließt eine zusätzliche Resonanzebene. Dabei haben dicht bespielte Formate ihren eigenen Reiz, etwa „What’s Inside You?“, das rätselhafte Frauenaugen und Faltenwürfe in ein wildes Ornament bettet, dessen Spektrum von tiefstem Schwarz bis Neonorange reicht. Eine Holzinstallation aus Latten und Regalträgern ruft zum „Boykott“. Fragt sich, auf welcher Seite des Zauns man steht...

 „BaBa rARA CUcU dADa“ bis 10. November in der Galerie Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Geöffnet: Mittwoch bis Freitag 15-20 Uhr und nach Vereinbarung unter der Rufnummer  069 810044.

Quelle: op-online.de

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