Swingender Spaziergang

+
Zeitreisende: Knut Vanmarcke, Nina Schulz, Christin Deuker, Melanie Stahlkopf und Dirk Voßberg.

Frankfurt - Als Mutti Gäste noch mit Käseigel, Toast Hawaii und Asbach-Uralt am heimischen Nierentisch bewirtete, war die Welt noch in Ordnung. Diesen Eindruck zumindest vermittelt die 60er-Jahre-Revue „Mit 17 hat man noch Träume“, in der Komödie Frankfurt. Von Maren Cornils

Doch die von den Malente-Brüdern, zwei Kunstfiguren, hinter denen sich Knut Vanmarcke und Dirk Voßberg verbergen, erdachte Show ist keine platte Verbeugung vor der Wirtschaftswunder--Ära, kein verklärter Blick zurück, sondern eine witzige Abrechnung mit einer kunterbunten, zwischen Spießigkeit und Aufbruchstimmung schwankenden Zeit, die den Nährboden für Woodstock, Studentenproteste, RAF und Emanzipationsbewegung bildete. Ein swingender, gewollt verkitschter Spaziergang durch die Zeit von Petticoat, Twist und Bienenkorbfrisur.

Auf der zum XXL-Fernseher umfunktionierten Bühne treffen fünf stilecht gewandete Sixties-Klischees aufeinander: Egon Dobermann (Dirk Voßberg), ein spießiger hornbebrillter Pantoffelträger, Peter Janzen (Knut Vanmarcke), ein mit blonder Fönwelle gestylter Möchtegern-Frauenheld, Renate Dobermann (Melanie Stahlkopf) als weltfremdes Hausmütterchen, Ingrid Janzen (Nina Schulz), ihre flirtfreudige Freundin, und Töchterchen Lore Dobermann (Christin Deuker), ein „Bravo“-vernarrter Teenager.

Viele Worte werden nicht gemacht, stattdessen stimmt das Quintett, kaum dass sich der Vorhang gehoben hat, aus dem Stegreif bekannte Schlager wie den „Popocatepetl-Twist“, „Spiel noch einmal für mich den Habanero“ oder „Ganz Paris träumt von der Liebe“ an. Dazu wird getanzt, dass die Haarspray-gefestigte Frisur ins Rutschen kommt, die Unterröcke flattern und sich ältere Zuschauer nahtlos in die „Peppermint Bar“ zurückversetzt fühlen. Nicht lange, und der Saal swingt, klatscht oder singt mit.

Das bestens aufgelegte und stimmlich gut harmonierende Darsteller-Team reiht Episoden aneinander, in denen mal Clementine und Inspektor Dick Martin alias Heinz Drache ihren Auftritt haben, dann wieder die Beatles und Oswald Kolle. Den Reigen garnieren zeitgenössische Werbespots mit clever platzierten Pointen. Ein mitreißender Rückblick.

Quelle: op-online.de

Kommentare