Kunstansichten

Tafel und Skulptur

Schicht um Schicht gewachsen ist die gestisch-abstrakte Formensprache der Offenbacher Künstlerin Andrea Simon.

Offenbach - Vom 26. bis 28. April öffnen Ateliers, Galerien, Ausstellungsräume und Museen anlässlich der Offenbacher Kunstansichten ihre Türen. Einige der Beteiligten stellen wir in loser Folge vor. Von Reinhold Gries

Mit der Ausstellung „Ausdruck und Empfindung“ präsentiert Offenbachs Haus der Stadtgeschichte expressiv-abstrakte Maltafeln von Andrea Simon im Dialog mit klassisch-modernen Steinskulpturen von Regina Schnersch. Beide sind Ateliernachbarinnen in den Werkstätten der Mato-Kunstfabrik.

Die aus Meißen stammende, in Dresden und Hamburg wie an Frankfurts Städelschule ausgebildete Andrea Simon hat sich mit Leib und Seele der Malerei verschrieben. Sie kommt morgens ins Atelier und malt bis zum Abend ununterbrochen, es sei denn, es muss einmal die oberste der vielen Ölfarbschichten trocknen, in die sich die Künstlerin immer neu hineinarbeitet. „Ich entwickle zu jedem meiner Bilder eine starke innere Beziehung und spüre genau der Resonanz nach, die das Gemalte jeweils auf mich ausübt“, beschreibt sie den stark gestischen Malprozess mit dem Borstenpinsel.

Regina Schnersch, „Paar aus Diabas“

„Lyrisch ist das nicht gemeint, auch nicht dekorativ“, sagt Simon zu eruptiv-spannungsreichen wie sensiblen Farbklängen, die sich zu Titeln wie „Grün“, „Grünblau“, „Weiß“, „Hellblau“ oder „Krapprosa“ von Grund auf entwickeln. Mit großer Energie und Kraft geht die Malerin zu Werke und gibt erst Ruhe, wenn sich von ihr erstrebte wie erfühlte Harmonie eingestellt hat. Was beim Betrachten zunehmend fesselt, sind die dynamischen Partituren ihrer Pinselschläge und die dichten Setzungen. Im traditionellen Sinn komponiert ist das nicht, was auch durch schwelgerische Leuchtkraft bezaubert.

Frühere Figuration hat Simon hinter sich gelassen, um auf ständiger Gratwanderung zwischen Feinmalerei und pastos-massigem bis reliefartigem Farbauftrag zu absoluter Malerei vorzustoßen.

Auch die aus Schotten stammende Steinbildhauerin Regina Schnersch baut nicht auf oberflächliche Schaueffekte, ist immer auf der Suche nach der in sich wahren, gültigen Form, die sie hartem Gestein mit Mühe und Beharrlichkeit abringt. Vorzeichnungen braucht sie kaum im Balanceakt zwischen urwüchsiger Kraft und Formsensibilität.

Wenn man sich die Oberfläche ihres Diabas-„Paares“ ansieht, ist beim Punkten und Stricheln mit dem Meißel nichts dem Zufall überlassen. Skulpturen wie das sandsteingelbe Halbrund von „Balance“, die sinnlich-weiblich in Carrara-Marmor gearbeiteten „Faltungen“ oder auch die halbkreisförmige Figuration „Öffnung“ überbrücken fast spielerisch Jahrtausende der Kunst.

„Ich will leicht erscheinen lassen, was zunächst schwer wirkt“, sagt sie zu ihrem Schaffensantrieb. Was sie bei „Wachsen“ oder „Welle“ mit herausragendem Formgefühl aus Dolomit oder Sandstein entstehen lässt, ist ähnlich zeitlos wie die ineinander verklappte, aber auch schwankend spiralig emporwachsende Figuration oder eine in Kugeln gereihte Arbeit aus Basalt. Bis so etwas zu absoluter Harmonie zwischen Geist und Materie findet, vergehen zuweilen Monate oder gar Jahre.

Quelle: op-online.de

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