Talentfülle als Luxusproblem

Stolz schwingt mit, wenn Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider über die „Kunstansichten“ spricht: „Sie bieten eine ganz und gar aktuelle und lebendige Momentaufnahme – ein Spiegel der Impulse, die in Offenbach und aus Offenbach heraus Kunst entstehen und wirken lassen.“ Von Reinhold Gries

Der OB betont das eigenständige Profil als Stein im Mosaik der Kulturregion Rhein-Main und zieht das Fazit: „Die Kunstansichten präsentieren Kunst unterschiedlichster Stilrichtungen und Ansätze, grenzenlos bunt, auf Schritt und Tritt immer wieder überraschend, verrückt, liebenswert, querdenkend.“ Ein authentisches Produkt,made in Offenbach.

Projektleiterin Anna-Fee Neugebauer präzisiert: „Diesmal nehmen 89 Künstler teil, davon 13 auswärtige. Einige bekannte Namen sind nicht dabei, dafür sind neue hinzugekommen. Der Katalog, für fünf Euro zu erwerben, setzt andere Schwerpunkte. Lebensläufe sind weggelassen, finden sich auf der ausführlichen Website. Dafür ist Wert auf Atmosphärisches gelegt, Texte sind Eigenaussagen der Teilnehmer.“ Wie Schneider ist sie mit der Resonanz der letztjährigen Kunstansichten zufrieden, erhofft sich jedoch eine Steigerung der Besucherzahlen.

Gegenwelten vs. Kunstansichten

Beim Blick ins gut gemachte Faltblatt mit 49 Ausstellungsorten und in den Katalog scheinen solche Hoffnungen berechtigt, zumal auch die Museen Profil zeigen. Gegenüber den „Gegenwelten“ im Haus der Stadtgeschichte werden die 11. Kunstansichten im Klingspormuseum am Freitag, 18. September, 19.30 Uhr, mit Musik eröffnet.

Das Kulturkarree ist auch durch die Französisch-Reformierte Kirche vertreten, wo Olaf Joksch mit Yumiko Noda am Sonntag (19 Uhr) zu Martina Schoders und Gabriele Saur-Burmesters Kunst ein Konzert zum jüdischen Neujahrsfest aufführt. Das Deutsche Ledermuseum zeigt Monika Gollas Video-Installation „Cinderella“. Gegenüber dem Rosenheim-Museum präsentiert der Deutsche Wetterdienst Malereien, Zeichnungen und Fotografien von Anke Rörscheid.

„Kunstansichten“, Samstag, 19. September, 15 bis 22 Uhr, Sonntag, 20. September, 12 bis 20 Uhr. Informationen auf der Internetseite der Stadt Offenbach.

Eine Besonderheit ist die von Sepp Held angeregte Performance „Beton-ungen“ zum 40-Jahre-Jubiläum des Rathauses, bei der sich sechs Künstler am Sonntag, 12 Uhr, zu Ausstellung, Tanz, Rezitation und Musik treffen. Das B 71-Special „vorORT–Außen Innen“ im Atelierhaus Bettinastraße 71 vereint Künstler und Referenten zu Performance und Panel-Diskussion (Samstag, 18 Uhr). Salon 13,Hafen 2 und Matthäusgemeinde bieten Kunst, Musik und Performance. Im Hof Luisenstraße 63 fordert Susanne Schmidts Hutfalt-Aktion zum Mitmachen auf.

Qualität und Vielfalt prägt Galerien, Werkstätten und Ausstellungsräume. Humorvoll bis bissig der „Bayerische Jahresrückblick“ bei Artycon am Wilhelmsplatz 2 und Andreas Masches „Geld statt Gemüse“ im Atelier Bleichstraße 14H. Nie enttäuscht werden Kunstfreunde von Uta Schneider an der Löwenstraße 10, von Anja Hantelmann in Bieber, von Herbert Aulich in Rumpenheim und von Kunstpreisträgerin Gabriele Juvan an der Luisenstraße 63.

Für erstklassige Fotografie stehen René Spalek, Jürgen Lechner und Rainer Kraus in der Eisfabrik (Geleitsstraße 24). Zu beachten sind die Ateliers der Mato-Fabrik (Bieberer Straße 215) und der neue „Kunstverein Freigehege Druckwerkstatt“ (Geleitsstraße 46). Ein Feuerwerk an Ideen und Stilarten bieten Einzelkämpfer wie Ulrich Grau und Wilhelm Adam mit seinen „living dolls“, die vitale Ateliergemeinschaft an der Rathenaustraße 38 HH und das ganz andere „Atelier unartix“. Offenbach hat beim Zeigen seiner Talente ein Luxusproblem – die große Fülle.

Quelle: op-online.de

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