Tanz durch die Extreme einer Liebe

Ein Stück über die Liebe. Voller Poesie und Schönheit, doch weit mehr als eine romantische Geschichte. Zwei Liebende des wirklichen Lebens, tanzen, der französische Choreograf Abou Lagras und seine aus Marokko stammende Frau Nawal. Und man merkt ihnen an, dass sie mehr sind als nur Bühnenpartner.

„D’Lux Sons“, mit der die von Lagras begründete Compagnie La Baraka im Frankfurter Mousonturm gastierte, ist beiläufig auch die Manifestation einer bestimmten Liebe. Doch Lagras, der einst zum S.O.A.P. Dance Theatre gehörte, geht es um die großen Motive des Lebens, neben der Liebe um den Verlauf der Zeit und die Endlichkeit der Existenz. Als Quelle der Inspiration nennt der 38-Jährige die Poesie des persischen Dichters, Mathematikers und Philosophen Omar Khayyâm. Es handelt sich um ein ausgedehntes Pas de deux, von nicht ganz einer Stunde Dauer. Das Paar, in weiße Hosenanzüge gehüllt, geht durch die Extreme einer Liebe. Ungebrochene Synchronizität herrscht zunächst. Zeit vergeht, Wasser tropft in ein Bassin.

Die Musik macht starke Vorgaben. Eric Aldes und Ivan Chiessone schlagen einen Bogen von den Überlieferungen der islamischen Sufi-Mystiker bis zum zeitgenössischen elektronischen Pop. Von hart einwirkenden Technobeats wird das Paar derbe durchgeschüttelt. Es ist eine Störung in der hohlen Liebesharmonie. Man bettet sich gemeinsam ins Wasserbad. Plantscht mit spektakulärem Tropfenflug. Verliert sich trotz Bedrohung nie ganz – und hält einander zum guten Schluss in den Armen.

Eine schöne Liebesgeschichte. In schönen Bildern, die sich in all ihrer Schönheit zum Glück nicht selber gefallen. Lagras ist gewiss kein Mann der radikalen Neuerung, doch er verfügt über ein beachtliches tanzsprachliches Vokabular, und er weiß es fantasiereich zu handhaben. „D’Lux Sons“ ist eine Meditation über das Leben, aus einem islamisch-westlichen Zusammenhang heraus, für den die kulturübergreifende migrantische Position schlicht eine Selbstverständlichkeit ist und kein Thema, kein Motiv. STEFAN MICHALZIK

Quelle: op-online.de

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