Tanz um heißen Brei

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Als Gemeinschaftsleistung wird die neue Choreografie annonciert.

Frankfurt - Der neue Abend der Forsythe Company erinnert an eine Castingshow. Vor einer auf eine große Leinwand gemalten Blüte stehen Tische in einer Reihe, an denen Sprecher Platz nehmen und in wenig prägnanten Worten ankündigen, was im Folgenden zu sehen sein wird, um dann etwas später die Akteure mit einem Dank zu verabschieden. Von Astrid Biesemeier

Wenngleich – wie im richtigen Leben – nicht jeder die Bühne verlassen möchte. Dazwischen werden Geräusche imitiert und die dazu passenden Bewegungen oder Tätigkeiten produziert, ein Popliedchen geträllert, einige Male sind Forsythes typische Choreografien als Duos, Trios oder in Gruppen zu sehen. Videoeinspielungen dürfen natürlich auch nicht fehlen, und so ist auf dem Bildschirm zu sehen, wie Essen zubereitet wird, zwei Männer mittels wüstem Headbanging ein Feuer entfachen wollen oder wie eine kleine Katze in Nahaufnahme in die Kamera grimassiert. Manches ist ganz ulkig, vieles wirkt, als nähmen die Akteure sich selbst nicht so richtig ernst, wie auch die Kostüme von Stephen Galloway die ein oder andere Geschmacklosigkeit bewusst zur Schau stellen.

„Theatrical Arsenal II“ heißt denn auch dieser Abend. Und mehr als eine bunte Sammlung theatraler Mittel ist er kaum, wenngleich einige Elemente wiederholt auftauchen. In diesem Sammelsurium wird jeder Zuschauer im Laufe der rund 90 Minuten lachen und einige Tanzsequenzen bestaunen. Einige Nummern aber lässt er durchaus gelangweilt über sich ergehen. Doch selbst das ist, wie Dana Caspersen zu verstehen gibt, durchaus intendiert.

Weitere Aufführungen bis zum 5. Dezember, jeweils 20 Uhr.

Dieser neue Abend, der sich offenbar am Medium Fernsehen abarbeitet, war zwar ursprünglich als Uraufführung einer neuen Forsythe-Choreografie angekündigt. Auf dem im Gegensatz zur beharrlich plappernden Inszenierung wenig beredten Programmzettel wird jedoch gleich die ganze Forsythe Company als Urheber von „Theatrical Arsenal II“ genannt, das im Übrigen auf einer Installation aus dem Jahre 2007 basiert. William Forsythe selbst firmiert hier nur noch als künstlerischer Direktor. Vielleicht gilt ja auch hier: Viele Köche verderben den Brei.

Quelle: op-online.de

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