Tanz und Magie im Einklang

+
Urban Dance trifft Illusion: In der Show „Flying Illusion“ setzen Tänzer scheinbar mühelos Naturgewalten außer Kraft.

Frankfurt - Vartan Bassil will nach Las Vegas. Hätte er das vor etwa 20 Jahren verkündet, hätte sein Umfeld vermutlich nur müde gelächelt. Heute ist das anders. Der 38-Jährige ist auf dem besten Weg, seinen Traum zu verwirklichen. Von Lena Marie Jörger 

Mit der Berliner Breakdance-Gruppe „Flying Steps“ feiert er einen Erfolg nach dem anderen. Der jüngste: ihre neue Show „Flying Illusion“. Die Premiere im Berliner Tempodrom Ende März war mehr als gelungen, die Halle ausverkauft. Dass es einmal so weit kommen würde, hatte Vartan Bassil Jahrzehnte zuvor nicht geahnt. Wenn er an seine Anfänge als B-Boy, in der Szene ein anderes Wort für Breakdancer, zurückdenkt, muss er lächeln. Früher war seine Bühne wenige Quadratmeter groß. Und eigentlich auch keine richtige Bühne sondern ein Raum in einem Jugendclub in Berlin-Wedding. Dort macht der gebürtige Libanese seine ersten Breakdance-Schritte.

1993 gründet er mit Freunden die „Flying Steps“. Seine Eltern waren anfangs dagegen. „Sie wollten, dass ich studiere.“ Mittlerweile haben sich die „Flying Steps“ weltweit einen Namen gemacht, sind ein Unternehmen mit mehreren Angestellten und Bassil als Geschäftsführer und unterrichten in ihrer eigenen Tanzschule. Aber das reicht ihnen noch nicht. Sie wollen auf noch größere Bühnen, vor noch mehr Publikum tanzen. Vor vier Jahren dann der Durchbruch. In der Show „Flying Bach“ verbinden die Berliner Breakdance und klassische Musik, zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht so recht zusammen zu passen scheinen. Auf den zweiten Blick wird klar, dass sie es doch tun. „Da haben die Leute verstanden, dass wir nicht einfach nur Sport machen, sondern dass Breakdance eine Kunstform ist“, freut sich Bassil. Die aufwendige Produktion, für die Jungs sogar einen Echo bekommen, geht auf Welttournee - und ist es noch immer.

So ähnlich soll es auch „Flying Illusion“ ergehen. Das Projekt ist wieder ein Mix, diesmal aus Breakdance und Magie. Bassil, künstlerischer Leiter der Show, erklärt: „Das sind zwei Disziplinen, die die Leute faszinieren. Irgendwann habe ich mir überlegt, wie es denn wäre, beides zusammenzubringen.“ Damit das gelingt, holt sich der bekennende David-Copperfield-Fan einen Experten ins Boot, den Ulmer Illusionisten Florian Zimmer. Aber ohne Recherche geht es nicht. Die beiden reisen in die Stadt, in die Bassil schon immer wollte - Las Vegas. „Wir haben uns verschiedene Shows angeschaut, natürlich auch die von Copperfield“, erzählt Bassil. „Ziel war es herauszufinden, ob es das, was wir vorhaben, schon gibt.“ Gibt es nicht. „Meine Magierkollegen meinten, das wird ein Alptraum“, gibt Florian Zimmer zu. „In der Tat war das Entwickeln der Illusionen für dieses Projekt mehr Arbeit als gedacht, weil es keine Vorlage dafür gibt.“

Vartan Bassil will mit den „Flying Steps“ ganz nach oben.

Aber Zimmer hat es geschafft. In „Flying Illusion“ verschmelzen Magie und Bewegungen derart, dass der Zuschauer nicht mehr merkt, wann Können und wann Zauberei im Spiel ist. Plötzlich fliegen dreidimensionale Objekte durch den Raum, Tänzer fangen an zu schweben und verschwinden auf unerklärliche Weise. Der Magier bleibt dabei die ganze Zeit hinter der Bühne, sie gehört allein den Tänzern. Elf der Weltbesten haben die „Flying Steps“ engagiert. Scheinbar mühelos setzen sie Naturgewalten außer Kraft. Die Schritte sitzen bis ins kleinste Detail. Fast sieben Monate lang haben sie hart trainiert, um es so aussehen zu lassen.

Verpackt wird das Ganze in eine Geschichte über zwei verfeindete Crews, die „Flying Heroes“ und die „Dark Illusions“, die in einem Kampf über das Schicksal der Erde entscheiden. Gut gegen Böse, das funktioniert immer, weiß auch Bassil. Aber die Geschichte ist für ihn auch nicht das Entscheidende. „Ich wollte eine Show machen, die unterhält, und dafür braucht es eben einen roten Faden.“ Der Klassik bleibt das Team auch bei dieser Produktion ein Stück weit treu. Zu den elektronischen Beats mischt sich der Klang eines Symphonieorchesters. Von Bach ist aber keine Spur. „Für mich stand fest, wenn wir das machen, brauchen wir auch eine ganz neue Musik“, sagt Bassil.

Mit „Flying Illusion“ ist er seinem Traum noch einen Schritt näher gekommen. Aber er schmiedet schon Pläne. „Jetzt kommt erst einmal die Deutschland-Tour, und dann irgendwann Amerika.“ Sein Ziel: eine Art Cirque du Soleil des Breakdance zu werden. Eines hat er sich schon jetzt verdient: den Respekt der Szene. Aus dem Mann, der sich früher bei den Elternabenden seiner Tochter für seinen Beruf schämen musste, ist ein Mann geworden, der mehr als stolz darauf ist. „Mittlerweile kommen sogar Klassenkameraden und die Kinder der Lehrerin meiner Tochter zu mir in die Tanzschule.“

Quelle: op-online.de

Kommentare