Tanz auf dem Vulkan

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Spraypaint „Red Goya“ (2011) von Christof Kohlhöfer.

Offenbach - Wie Intuition und Können sich auf der Leinwand meisterlich verbinden, ist zurzeit in der OffenbacherGalerie von Thomas Hühsam zu bewundern. Dort zeigt Christof Kohlhöfer neue Werke. Von Carsten Müller

Der durch viele Einzel- und Gruppenausstellungen in Offenbach bekannte Meisterschüler von Josef Beuys und K. O. Goetz arbeitet mit Sprühdose und Schablonen auf großen Formaten. Farbintensiv, sinnenfroh, spontan und bewegt sind seine Kompositionen.

„Dancing on Polka Dots“ in der Galerie Hühsam, Frankfurter Str. 61, Offenbach. Geöffnet: Montag bis Freitag 15 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung unter der Nummer 069/810044

Die Motive entnimmt der 1942 in Frankfurt geborene und in Los Angeles lebende Künstler der Pop-Kultur, der Medienwelt und seinem Lebensumfeld in Amerika, zu dem er ein ambivalentes Verhältnis pflegt. Licht- und Schattenseiten der US-Gesellschaft versteht er ebenso spannungsvoll in Bilder zu fassen wie biografische Entwicklungen und zeitgeschichtliche Strömungen. Und obwohl die Leinwände spontan Manier be- und überarbeitet werden, abstrakte und figürliche Darstellung bruchlos ineinander übergehen, scheint alles recht gefügt und nichts zufällig.

Etwa beim wandfüllenden Großformat „Cleaners Are Happy“, das wie im Zoom-Effekt den Fokus drastisch auf Krieg als Mittel der politischen Auseinandersetzung richtet. Eine den Mittelfinger reckende Micky Maus grüßt von der Hauswand.

Politische Motive assoziiert man angesichts der beiden Hutträger im Werk „Der Zaunkönig“, das durch überlappende Gitterstruktur und gezielte Verdichtung bzw. Auflockerung des Farbauftrags effektvoll zwischen Bildebenen changiert. Viel Weißraum spendiert Kohlhöfer dem sarkastischen Schöpfungs-Kommentar „The Snake Is Dead“ in Neonfarben.

In dichten ornamentalen Dschungel entführt „Collaboration“, wo sich ein pferdefüßiger Teufel um eine schlafende Schöne bemüht. Gegenüber rauchen Totenköpfe („Has A Mind Like A Disco Ball“) und verschnaufen Kindersoldaten („Today Is A Nice Day To Die“). Kohlhöfers Kunst verschont nicht.

Varieté-Zauber vermittelt „Red Goya“ mit hochrotem Conferencier und ätherischer Künstlerin, während „The Rooster Is Back“ wie ein Episoden-film vorbeizieht. Das für die Ausstellung titelgebende Paar tanzt über eine Serie von Ausstellungsplakaten, wo Schrift, Farbe, Fläche und Figuration sich zum Tanz auf dem Vulkan virtuos vermählen.

Quelle: op-online.de

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