Tanz wirkt aufgepfropft

Frankfurt - Die synchron gereckten Gitarrenhälse, gern verbunden mit rotierenden Mähnen, sind Kennzeichen der klassische Rockshow, ebenso die vielfach nachgeahmte Pyramide der Scorpions, für die Sänger Klaus Meine die lederbehosten Oberschenkel der beiden Gitarristen erklimmt. Von Stefan Michalzik

Nicht ohne Ironie, gleichwohl zutreffend spricht man in diesem Zusammenhang vom Rockballett. Über solch urwüchsige Formen hinaus haben Rock- und Popbands für ihre Auftritte immer wieder Choreografen und Theaterregisseure angeheuert. Damit betritt das belgische Musikerkollektiv Zita Swoon, das im Frankfurter Mousonturm gastierte, mit seiner in Zusammenarbeit mit der Brüsseler Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker und ihrer Compagnie Rosas entstandenen Show „The Sound Hobbyist“ kein Neuland.

Zita Swoon, Anfang der 90er Jahre in Antwerpen gegründet und anfänglich unter den Namen A Beatband und Moondog Jr. firmierend, lassen sich im postmodernen Zugriff auf eine Reihe von Stilen als Geistesverwandte De Keersmaekers betrachten. Die Musik des siebenköpfigen Ensembles um Sänger, Gitarrist, Organist und Kopf Stef Kamil Carlens streunt zwischen Klavierimpressionismus, minimalistischer Perkussion, Afrobeat, experimenteller Klangbildnerei und Easy Listening umher; die Nummern sind teils instrumental; die Songs kennzeichnet ein beträchtlicher Glamfaktor. Stimmlich kommt Carlens dem frühen David Bowie nahe.

Das klassisch gewordene Tanzvokabular der als Trainerin ihrer sich selbst choreografierenden Ensemblemitglieder firmierenden Anne Teresa De Keersmaeker, das der Solist Simon Mayer vor allem auf einem schmalen, den monumentalen Aufbauten der Perkussionsinstrumente vorgelagerten Streifen an der Rampe ausbreitet, ist in seiner kraftvollen Sprache visuell nicht unattraktiv. Auf den ersten Blick jedenfalls. Immer wieder kreiselt Mayer und schleudert seine Gliedmaßen vehement von sich weg.

Tuur Marimus, das zweite Mitglied der Rosas, ist als eine von zwei Hintergrundsängerinnen vergleichsweise unauffällig in die Band integriert, derweil einzelne Musiker hin und wieder zum Teil des tänzerischen Prozesses werden.

In besseren Momenten finden Musik und Tanz in schwebender Leichtigkeit zusammen. In der Summe freilich wirkt der Tanz wie auf die Musik aufgepfropft. Kaugummi für die Augen. Beliebig in der Abfolge, harmlos und sinnleer. Angelegt auf den spektakulären Moment mit Beifallsgarantie.

Zita Swoon warten immer wieder mit erzählenden, durch schöne Melodien gekennzeichneten Songs und mit faszinierenden Klangmomenten auf. Irgendwann aber ist der Punkt erreicht, an dem musikalisch alles gesagt ist. Doch es geht erbarmungslos weiter, gut zwei Stunden lang – von denen grob geschätzt eine halbe überschüssig ist. In der versprochenen Synthese von Tanz und Musik sollte der Tanz einen starken eigenen Stellenwert behaupten. An dessen Mangel krankt die Sache.

Quelle: op-online.de

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