Tanz zwischen Heiterkeit und Ironie

Am Ende pfeift ein Clown eine beschwingte Melodie zu selig verträumter Akkordeonmusik und schlendert von der Bühne. Man weiß nicht genau, wo die Grenze zwischen poetischer Heiterkeit und ironischer Abfederung verläuft.  Von Stefan Michalzik

Und das ist ganz offenkundig Absicht. Das japanische Natural Dance Theatre, 1991 gegründet von Shinji Nakamura, reflektiert die Stimmung im Nachkriegsjapan vor dem Hintergrund einer Zirkusarena. Schlicht „Cirkus“ heißt das von der selbst die weibliche Hauptrolle tanzenden Mako Kawano gemeinsam mit Nakamura entwickelte Stück, das bei einem Doppelabend im Frankfurter Mousonturm zu sehen war.

Menschen, die nicht wissen, wohin es mit ihnen, wohin es mit ihrem Land gehen wird, durchwandeln eine Welt der surrealistischen Bilder. Armut und Sorge treiben sie um, doch unerschütterliches Durchhaltevermögen lässt sie weitermachen.

Die Musik spielt eine wichtige Rolle. Beinahe könnte man von einem Tanz-Musical sprechen. Ausgangspunkt ist die Romanze um Sachiko und Ichiro aus dem von Mario Agata gesungenen Lied „Elegy In Red“. Zirkusmusik wird mittels Verfremdungstechniken in eine Welt des Traums überführt, die „Internationale“ mündet in einen neutralen Marsch. Kawano und Nakamura entfalten mit leichter Hand eine wunderbare Tanzpoesie.

Zwischen „Cirkus“ und „Dead 1“ von Koro Murobushi und seinem Ensemble Ko & Edge Co. besteht eine untergründige Verbindungslinie. Murobushi ist auf die Erneuerung des Butohtanzes bedacht, der als zeitgenössische Tanzkunst Ende der 50er Jahre entstanden ist, also genau in jener Zeit, die sich „Cirkus“ zum Motiv macht.

„Dead 1“ ist praktisch nichts anderes als ein sich nach dem Prinzip der radikalen Verlangsamung bewegendes Bild. Rückenansichten zweier dunkelgrau eingetünchter Männer ragen in Kerzenhaltung hoch. Die Tänzer stoßen Schreie aus. Unter den Klängen einer impressionistischen Orchestermusik mit Sopranstimme wechseln die Körper in ruckhaften kleinen Bewegungen in die aufrechte Position. Wie unter einer übergroßen Macht stürzen die durchzitterten Körper immer wieder und winden sich. Ein starkes Bild von tiefer Eindrücklichkeit.

Quelle: op-online.de

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