Teppich fliegt ins Glück

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Verzaubert als Sheherazade aus 1001 Nacht und als anmutige Sklavin Mardschana: Denise Odedekah.

Am Ende ist es eine Frau, die dem Bösen den Garaus macht. Und es obsiegt die Liebe. Natürlich. Schließlich sind wir im Märchen. Um Geld oder Liebe, um Macht und große Gefühle geht es im Musical „Albi Baba und die 40 Räuber“, mit dem in Hanau die 27. Brüder-Grimm-Märchenfestspiele eröffnet worden sind. Von Christian Spindler

Zum dritten Mal haben die Macher eine Geschichte aus einem anderen Kulturkreis ins Amphitheater gebracht – und mit dem farbenfrohen Märchen ein gutes Händchen bewiesen.

Die Geschichte des armen Holzsammlers Ali Baba, der den Zauberspruch der Räuber erfährt („Sesam öffne dich“) und so in den Berg gelangt, in dem die Bande unermessliche Schätze versteckt hat, der den Verlockungen von Reichtum und der machthungrigen Frau des Sultans (Mirjam Wolf) widersteht, der am Ende Mardschana, die Sklavin seines Bruders, befreit und mit ihr auf einem fliegenden Teppich ins Glück entschwebt, sie eignet sich so recht für opulentes Theater.

Das ist dieses Ali-Baba-Musical auch in weiten Teilen. Da wird ein turbulentes Marktspektakel entfacht, da öffnen sich Türen in den raffinierten Kulissen zu immer neuen Bildern, da gibt es sinnliche Momente beim Schleiertanz von Mardschana (Denise Obedekah), da swingen lustig die Räuber (Matthias Graf, Daniel-Erik Biel und Daniel Wernecke), und da tanzen wild die Derwische – all das in wahrhaft prächtigen Kostümen (Ulla Röhrs). Doch so dicht die Inszenierung in vielen Teilen ist, sie hat auch flache Phasen.

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Das liegt mitunter an den Kompositionen. Frank Moesner, der sein Festspieldebüt gibt, hat mit dem herrlichen Song „Gerüchteküche“ und der Ballade „Kann es Liebe sein?“, mit der Alia Baba alle dahinschmelzen lässt (glänzend: Friedrich Rau), zwei herausragende Stücke geschaffen. Manch andere Melodie indes verhallt im Kopf schon mit dem letzten Ton. Zwar kreiert Moesner einen gefälligen Orient-Pop und nimmt nette musikalische Anleihen bei Schlager und Swing – ein großes Duett fehlt aber ebenso, wie das gesangliche Können der Hauptdarsteller nicht ausgeschöpft wird.

Das Festspiel-Musical lebt von seinen Bildern, den Choreografien (Regisseur Marc Urquhart und Ekaterini Tsapanidou), der spannenden Erzählung, bei der Autor Kevin Schroeder geschickt mehrere Ebene verwebt, und den durchweg guten Darstellern. Sonderlob verdienen sich neben Denise Obedekah und Friedrich Rau auch Hartmut Schröder als köstlich lispelnder Baba Mustafa sowie Alexander Brugnara, der seine drei Rollen und die schnellen Wechsel als Sultan, böser Bruder und Räuberboss Hussein stets ausdrucksstark meistert.

Das Musical „Ali Baba“, das neben den „Bremer Stadtmusikanten“ (ab 28. Mai) und „Der Froschkönig“ (ab 10. Juni) bis 17. Juli noch gut 30 Mal auf dem Spielplan steht, wird Zuschauer ziehen und zweifellos der Quotenbringer des diesjährigen Festivals. Durchaus zurecht!

‹ www.festspiele.hanau.de

Quelle: op-online.de

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