Wie der Teufel spaßt

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Verführung: Bernhard Heisigs Ölmalerei „Faust und Mephisto“ aus dem Jahr 2002.

Zu Zeiten, als man in Ostdeutschland der DDR-Doktrin des „Sozialistischen Realismus“ folgte, machte sich der 1925 in Breslau geborene Maler und Grafiker Bernhard Heisig auf den Weg zu neuen Ufern. Von Reinhold Gries

Während der streitbare Kunstprofessor sich an Vorbildern wie Beckmann, Kokoschka und Corinth orientierte, wurde er als Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst abgesetzt. Zur Wende gab er seine Nationalpreise zurück. Wie befreit arbeitete er dann, auch an Gemälden und Federzeichnungen zum Faust-Stoff, die ihn sein Leben lang begleiten.

„Und merkt euch wie der Teufel spaße“ – Bernhard Heisig & Goethes „Faust“ bis 30. August im Goethehaus Frankfurt.

Geöffnet: Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr.

Viele der nach 1989 entstandenen Werke sind nun in feiner Auswahl im Frankfurter Goethehaus zu sehen. Heisigs 50-teilige Zeichensuite von 2002 wird von formprägenden „Faust“-Zyklen Max Beckmanns, Max Slevogts, Karl Hubbuchs und Joseph Hegenbarths begleitet. Dazu kommen sehenswerte Illustrationen vom Fin de Siècle und Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit und zeitgenössischen Moderne: Ernst Barlachs Hexentanz-Holzschnitt steht neben Käthe Kollwitz’ Gretchen-Psychogramm, Emil Noldes Faust-Porträt neben Henri Toulouse-Lautrecs Schauspieler-Konterfei von Madame Caron. Auch Conrad Felixmüllers Holzschnitt „Faust unserer Tage“, Hans Meids „Faust und Mephisto“, Alfred Kubins Faust-Panoptikum, Willi Baumeisters abstrakte Adaption und Bernhard Heiligers großformatige Bühnenbildentwürfe für das Berliner Schillertheater gehören zum Besten, was klassische Moderne hervorgebracht hat.

Die Intensität der Darstellungen wird von Beckmann und Heisig noch übertroffen. In Beckmanns grafischem Opus von 1943/44 stehen in genialen Federzeichnungen Glanz und Elend, Schmerz und Schönheit dicht beieinander. Wie Beckmann hat sein legitimer Nachfolger Heisig ein Arsenal von Linien, Dunkelheiten und Härten parat. Er fährt jedoch weniger scharf dazwischen, arbeitet sich eher Schicht für Schicht in die faustische Selbsterfahrung ein. „Schwierigkeit beim Suchen der Wahrheit“, so der Titel eines Bildes, sind für ihn Programm, dazu das autobiografische Sezieren. Im Zeichengestus geht’s vom feinen Strich und markanten Umriss bis zur silbergrauen Lasur und fast amorphen Passagen. Details werden mal präzise, mal ruppig und dann fast elegant hingesetzt.

In den besonders kraftvollen und ausdrucksstarken Malereien kommen Verzweiflung und Dramatik ins Spiel. Die Faust-Figur wirkt in mephistophelisch düsterer (Unter-)Welt eingesperrt und verloren, bedrängt von Mephistos teuflischem Grinsen und dem hässlichen Erdgeist: „Schreckliches Gesicht! Weh! Ich ertrag dich nicht!“. Dämonische und grelle Lichter leuchten zwischen Angstschreien auf. Die Gratwanderung zwischen menschlicher Verführbarkeit und alptraumhafter Bedrohung offenbart geradezu prototypisch Heisigs Erfahrungen mit zwei totalitären deutschen Staatssystemen.

Quelle: op-online.de

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