„Ein Leben - drei Perspektiven“

Theater mit Anspruch

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Auge in Auge: Der Chef des Hanauer Marionettentheaters, Roland Richter, will das Genre für Erwachsene attraktiv machen.

Hanau - Puppentheater für Erwachsene ist in unseren Breiten noch eine Ausnahmeerscheinung. Roland Richter, Leiter des Hanauer Marionettentheaters, will das ändern. Von Dieter Kögel 

Wenn Marionettenspieler Roland Richter lesen muss, dass er wieder einmal „die Puppen tanzen lässt“, dann sträuben sich dem Leiter des Hanauer Marionettentheaters, der das traditionsreiche Unternehmen in der dritten Generation führt, die Nackenhaare. Denn für ihn ist allein diese Ausdrucksweise sichtbares Zeichen dafür, dass dem Marionettentheater das Urteil des nicht ganz ernst zu nehmenden anhaftet, „Kinderkram“ eben, der nette Unterhaltung bietet. Seit Richter vor drei Jahren die Leitung des elterlichen Marionettentheaters übernommen hat, hat er es sich auch zur Aufgabe gemacht, dieses künstlerische Genre im kulturellen Ranking wieder nach vorn zu bringen. Mit Beharrlichkeit, ja fast schon einer Art Besessenheit verfolgt Roland Richter dieses Ziel. Am Wochenende will er mit der Inszenierung seines Stückes „Ein Leben – Drei Perspektiven“ im Saal des Hessischen Puppenmuseums in Hanau Wilhelmsbad den Beweis antreten.

„Ein Leben - drei Perspektiven“ hat am Freitag, 7. November, 20 Uhr, im Puppenmuseum, Hanau-Wilhelmsbad, Premiere. Weitere Aufführungen am 8. und 9. November, jeweils um 20 Uhr

Viel verrät der Theaterchef noch nicht über die Inhalte. Aber, so lässt er durchblicken, es geht um den Prozess eines menschlichen Lebens, in dem Ideale und Visionen, Triebfedern jugendlicher Beweglichkeit, in den Hintergrund treten, ja verloren gehen, Stillstand stellt sich ein. Scheinbar quälende Statik im letzten Lebensdrittel mit Blick auf Verpasstes. Drei Marionetten – immer die gleiche Figur, aber in verschiedenen Lebensaltern – helfen Richter, die Geschichte auf der begehbaren Bühne zu erzählen. Eine Geschichte, die auch angehäuft ist mit Richters Lebenserfahrungen. Derer gibt es genügend. Denn als Reiseleiter, Organisator von Fernreisen, Fotograf und Journalist hat er auf Tuchfühlung mit Kulturen nahezu aller Kontinente gelebt, den eigenen Horizont um neue Lebenswahr- und -weisheiten erweitert. Geschichten, die einen ganz eigenen Blick auf den Lebenslauf hierzulande gestatten, den die Protagonisten an den Fäden in rund 80 Minuten bieten sollen.

Neue Produktion ein Experiment

Für die Puppenbühne ist die neue Produktion ein Experiment. Es geht darum, die Grenzen des Marionettentheaters auszutesten, sagt Roland Richter. Es „müssen komplett neue Inhalte her,“ um diese Form des Theaters wieder für Erwachsene interessanter zu machen. Inhalte, die „die Menschen zum Nachdenken anregen“. Auch das Marionettentheater müsse den Anspruch haben, „kritisch, politisch, satirisch, philosophisch“ zu sein. Über den oft inszenierten Dr. Faust hinaus. Richters Engagement dafür wirkt manchmal wie der Kampf gegen die Windmühlenflügel von Don Quichote. Denn der Marionettenspieler weiß: „Auch wir werden an den Quoten gemessen.“ Und wenn die nicht stimmen, dann öffnen sich die Türen von Spielstätten nicht für bestimmte Produktionen.

Mit einer eigenen Bühne – am liebsten irgendwo in Hanau – könnte Richters Beharrlichkeit für ein neu definiertes Marionettentheater ein stabileres Fundament bekommen. Und auch daran arbeitet der quirlige und umtriebige Theaterleiter, für den das Marionettetheater zum Lebensinhalt geworden ist. All seine bislang im Leben gemachten vielfältigen Erfahrungen, so sieht er es heute vorsichtig, waren wohl nur so etwas wie die Vorbereitung auf das, was jetzt geschieht. Auch wenn es zuweilen an die Grenzen des Machbaren geht.

Quelle: op-online.de

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