Theater auf dem Theater

Dreieich - Auch in diesem Festspielsommer wanderte ein Musical von Burg zu Burg. Von Eva Schumann

Das Musical-Ensemble der Bad Vilbeler Burgfestspiele unter der Regie von Egon Baumgarten, von der letztjährigen „Anatevka“-Aufführung her in bester Erinnerung, gastierte in Dreieichenhain mit „Kiss me Kate“.

Cole Porters berühmtes Werk aus dem Jahr 1948 ist Theater auf dem Theater: eine Truppe probt für Shakespeares Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“, und immer wieder springt das Geschehen zwischen Wirklichkeit und Schauspiel hin und her. Das Regieteam passte sich den Gegebenheiten des Spielorts vortrefflich an. Wieder sorgt Thomas Peknys zwar nüchternes, aber umso pfiffigeres Bühnenbild mit Gerüsten und Treppen für szenische Abwechslung und Geschwindigkeit. Auf Renaissance-Kostümierung wurde verzichtet. Die Protagonisten treten „in echt“ teils nach der Mode der Cole-Porter-Zeit, teils in Schwarz, als Shakespeare-Darsteller in schlichten weißen Einheitskostümen auf. So waren die ständigen Rollenwechsel leicht zu durchschauen.

Hauptpersonen haben Probleme wie die Shakespeare-Figuren

Ganz so kompliziert wie Inhaltsangaben auf den ersten Blick suggerieren, ist das Geschehen gar nicht. Denn die Hauptpersonen haben ähnliche Probleme wie ihre Shakespeare-Figuren: allenthalben Verwirrung der Gefühle, Liebeshunger, Geschlechterkampf.

Wie die Bianca wird ihre Darstellerin Lois Lane von etlichen Männern umworben und sehnt sich zugleich nach Liebe. Dass sie anders gestrickt ist als die bescheidene Bianca und Schwierigkeit mit der edlen Deklamation hat, ist ein komisches Moment. Während es ihr bei Shakespeare die Konvention verwehrt, vor ihrer älteren Schwester verheiratet zu werden, hat das moderne Sexy-Girl ein bewegtes Liebesleben und kann ihrem Kollegen Bill nur „treu sein auf meine Art“. Dennoch Happy-End: beide werden ein Paar. Verena Mackenberg verfügt über fabelhaftes tänzerisches Geschick und verführerische erotische Ausstrahlung.

Regisseur spielt Petruchio

Die Titelrolle hat der Regisseur der Truppe, der den Petruchio spielt, mit seiner Ex-Gattin Lilli besetzt, einer ebenso fauchenden Tigerin wie das widerspenstige Käthchen. Die Rollen werden sich im Lauf des Spiels immer ähnlicher. Zwar will sich die geschiedene Lilli mit einem reichen alten Herrn verheiraten, und sie droht nach einem dummen Zwischenfall zu allem Übel, die Truppe zu verlassen. Doch kehrt sie zuletzt, selbst nach der großen Prügelszene, zu ihrem immer noch geliebten Ex-Gatten und zum Theater zurück – so reuig und demütig wie das Käthchen.

Sigrid Brandstetter in der Doppelrolle als Lilli Vanessi und Katharina lässt an Kratzbürstigkeit und überschäumendem Temperament nichts zu wünschen übrig. Schrill oder gefühlvoll singend, über die Bühne fegend, ihren Freier alias Ex-Gatten angeifernd, ohrfeigend und beißend --- in allem ist sie gleich gut. Wenn sie ihr Kampflied gegen den Mann singt, ist vor ihr auch das männliche Publikum nicht sicher. Als streitbarer, mitunter wehleidiger Gegner leistet ihr Thorsten Tinney kraftvollen und wohlklingenden Widerstand. Alles in allem: köstliche Unterhaltung.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Theater/pixelio.de

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