Konzentrat der Klassiker

Offenbach - Mehr Zuschauer, mehr Abonnenten und drei ausverkaufte Veranstaltungen: Die Gastspielreihe TheaterEssenz im Offenbacher Capitol zeigt positive Tendenz. Von Carsten Müller

Zwar spielen die Tourneeproduktionen in der ehemaligen Synagoge nur etwa 40 Prozent der Kosten in Höhe von 90000 Euro ein, doch die um jeweils gut ein Drittel gewachsene Zahl der Abonnenten (auf knapp 200) und der Zuschauer (insgesamt etwa 3000), stimmen Ralph Philipp Ziegler, Leiter des Forums Kultur und Sport, sowie Ludo A. Kaiser, Chef des Kulturbüros, als für die Reihe Verantwortliche zufrieden. „Wir sind auf einem guten Weg“, meinte denn auch Oberbürgermeister Horst Schneider anlässlich der Präsentation des Programms für die Saison 2011/12.

„Reinstes Theater“ verspricht der druckfrische Prospekt, dessen Titelseite ein Reagenzglas ziert. Die erfolgversprechenden Ingredienzen des Offenbacher Bühnen-Konzentrats beschreibt Ralph Philipp Ziegler folgendermaßen: „Wir unterhalten eine gute Partnerschaft mit Bühnen, die in unserer Region nicht überrepräsentiert sind und ein nicht alltägliches Repertoire pflegen.“

Zwar sind die sechs Gastspiele der am 4. Oktober mit „Nathan der Weise“ beginnenden Saison „aufs Klassische bezogen“, wie Ziegler weiter erläutert. Doch versprechen Inszenierungen wie jene Lessing-Bearbeitung der Württembergischen Landesbühne frischen Zugriff auf alte Texte. Zuletzt hatten die Esslinger Goethes „Faust“ in Offenbach gezeigt und das erfreulich junge Publikum in Bann geschlagen.

Der Vorverkauf an allen bekannten Verkaufsstellen beginnt am 15. August für die in drei Preisgruppen gestaffelten Abonnements (zwischen 77 und 111 Euro) und am 5. September für Einzelkarten (18 bis 26 Euro). Ermäßigte Karten (acht Euro) gibt es für Schulklassen.

Mehr Schulklassen will auch der für die Programmdramaturgie zuständige Ludo A. Kaiser zu den Produktionen locken. Gelingen soll dies einerseits mit unterrichtsnahen Stücken wie Bertolt Brechts Gesellschaftsparabel „Der gute Mensch von Sezuan“ (7. Februar 2012), von Stephan Suschke für das Hessische Landestheater Marburg in Szene gesetzt, andererseits durch gegenwartsbezogene Werke wie die deutschsprachige Erstaufführung des Kammerspiels „Wie ein Stein im Geröll“ (13. März 2012) von Maria Barbal. Die von persönlichen und politischen Umwälzungen geprägte Lebensgeschichte einer Katalanin, in der nordspanischen Heimat der Autorin seit Erscheinen 1985 ein Bestseller, richtete Jan Steinbach fürs Meininger Theater ein.

Den philosophischen Diskurs eröffnet Samuel Becketts „Warten auf Godot“ (26. Oktober 2011) in einer erfolgreichen Inszenierung des Staatstheaters Kassel. Thomas Bockelmann besorgte die Einrichtung des absurden Theaterklassikers zur Musik von Dirk Raulf.

Bauernschlaue Systemkritik bringt die Badische Landesbühne Bruchsal mit Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“ (21. November 2011) in die Goethestraße. Die köstliche Posse um die Verfehlungen des Dorfrichters Adam setzte Carsten Ramm in Szene. Komödien-Lustbarkeit verspricht Barbara Neureiters Shakespeare-Inszenierung „Viel Lärm um nichts“ des Theaters für Niedersachsen aus Hildesheim.

Quelle: op-online.de

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