„Thriller Live“ in der Alten Oper

Hommage an den King

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David Jordan sieht Michael Jackson nicht nur ähnlich, er beherrscht dessen Bewegungsvokabular perfekt.

Frankfurt - Die Musik von Michael Jackson ist so aktuell wie eh und je. Das zeigt einmal mehr die Aufführung des „Thriller Live“-Show in der Alten Oper Frankfurt. Von Peter Müller 

Zwischendrin kommt man mit dem Durchzählen kaum noch hinterher. Gleich sechs verschiedene Ausgaben des „King of Pop“ tummeln sich da vor einer Live-Band auf der Bühne der ausverkauften Alten Oper - für jeden Geschmack, für jede Tonlage eine andere Version. Vielleicht auch deshalb wird Adrian Grants überschwängliche Hommage an Michael Jackson so frenetisch bejubelt, als sei der Megastar wieder auferstanden. „Thriller - Live“ ist in der Stadt. Und mit der fulminanten Tribute-Show (Regie: Gray Lloyd) natürlich auch der Moonwalk, ein gutes halbes Dutzend sehr ambitionierter Tänzer, Unmengen an Kostümen, die Zombies aus dem inzwischen legendären Videoclip von Regisseur John Landis, die ikonographischen Posen inklusive des unverzichtbaren Griffs in den Schritt, und neben Hits wie „Beat It“, „Billy Jean“, „Bad“ oder „Black Or White“ auch all die Superlative, die „der größte Entertainer aller Zeiten“ gesetzt hat.

Zur Begrüßung flimmern da etwa die Schlagzeilen zu seinen 14 Nummer-1-Hits in den US-Charts, seinen 18 Grammys oder den über 100 Millionen jenseits der USA verkauften Tonträgern über die Videowand. Tyron Lee, Teilzeit-Conferencier und einer der „Lead Singer“, wird sie im Laufe der nächsten, prall gefüllten zweieinhalb Stunden gern noch mal wiederholen und selbstredend feststellen, dass „Thriller“ bis heute einfach das ultimative Pop-Album ist. Wer bis dahin die aus jeder Show-Minute platzende Verehrung für „Jacko“ noch nicht körperlich spürt, wird dies spätestens bei „Man In The Mirror“ tun: Da erscheint Michael, oha, in einer Bilderfolge mit Martin Luther King, Kennedy, Nelson Mandela und Mutter Teresa - mehr Huldigung, mehr Verklärung geht wohl nicht. Keine Frage: „Thriller - Live“ ist eine Nummern-Revue für Fans von Fans. Sie erzählt keine Geschichte, stellt keine Fragen und klammert alle dunklen Karriere-Momente aus, um vor allein die Musik des Ausnahmekünstlers zu feiern.

„Executive Director“ Adrian Grant hat sie noch zu Lebzeiten Jacksons, Ende der 1980-er, konzipiert. Er war damals verantwortlich für das erste autorisierte Fanmagazin „Off the Wall“, benannt nach Jackos Album aus dem Jahr 1979, das im ersten Teil der Show immer wieder zitiert wird. Als Grant auch noch nach „Neverland“ eingeladen wurde, hat ihn der Jackson-Virus offenbar restlos infiziert. Angelehnt an die alljährlichen „Celebration“-Festivitäten formte sich sukzessive ein Show-Konzept, das inzwischen seit fünf Jahren im Londoner Westend für Begeisterungstürme sorgt, acht Mal in der Woche!

„The Jacksons" in der Münchner Olympiahalle

"The Jacksons" in der Münchner Olympiahalle - die Bilder

Seine prägenden Figuren: Eshan Gopal, ein entwaffnend knuffiger Knirps, der sich inmitten der „Jackson Five“ durch Songs wie „ABC“, „I Want You Back“ und die Motown-Ära des Kinderstars trällert. Dazu „Moonwalker“ David Jordan, der Jackson nicht nur verblüffend ähnlich sieht, sondern dessen Bewegungsvokabular bis ins Detail beherrscht. Schließlich Cleo Higgins, die als Quotenfrau unter den Sängern mit Craig Thomas vor allem für die hohen Lagen der zuweilen vertrackten, viereinhalb Oktaven kletternden Songs zuständig ist. Als wäre das nicht schon für sich genug, wird quasi in jeder Minute, auf jedem Quadratmeter geturnt und getanzt, als gäbe es kein Morgen. Turnstunde, Kostümshow, Multimedia-Gags, Lobeshymnen en masse - vielleicht ist das als Ganzes ein bisschen Zuviel von allem. Andererseits: Wahre Jackson-Jünger können von ihrem Idol wohl nie genug kriegen.

Jackos Leibarzt schuldig: Jubel bei den Fans

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Quelle: op-online.de

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