Uwe Timm liest so, wie er schreibt

Frankfurt - Ein Buch mit dem Titel „Vogelweide“, eine Figur namens Eschenbach, da liegt der Gedanke an mittelalterliche Minnesänger nahe. Darüber gab die Lesung von Uwe Timm indes keine Auskunft. Von Markus Terharn 

Im ausverkauften Literaturhaus Frankfurt war ein anderer Bezug erkennbar, zu Goethes „Wahlverwandtschaften“, wie Timms Roman einen Partnertausch unter Paaren durchspielend.

Timm, Frankfurter Poetikdozent von 2009, ist ein so souveräner Erzähler wie ein angenehmer Vortragender. Seine ruhige Stimme zieht den Zuhörer in die Handlung. Er weiß, dass man mit dem Anfang anheben, den Schluss nicht verraten sollte. Weshalb Software-Unternehmer Christian und Silberschmiedin Selma, Kunst- und Lateinlehrerin Anna und Architekt Ewald ihre recht glücklichen Beziehungen für eine verrückte Liebe gefährden: Für diese Frage nahm der Autor anderthalb Stunden lang ein, ohne sie zu beantworten. „Irgendwas war nicht ganz ausreichend“, lautete seine nett lakonische Erklärung.

Wenn der Text beginnt, ist die Geschichte einer Leidenschaft bereits gescheitert. Die Versicherung, dass er dies nie selbst erlebt habe, ließ Timm nicht fehlen. Es hätte sowieso niemand geglaubt.

Nein, eine Ski-Nation wird Deutschland nicht mehr, wie Gastgeber Hauke Hückstädt witzelte. Nach Rennfahrer Michael Schumacher und Kanzlerin Angela Merkel war auch hr-Mann Alf Mentzer verunglückt. In der Moderation vertrat ihn Literaturkritikerin Ina Hartwig indes glänzend. An ihren klugen Interpretationen fand auch Timm Gefallen: „Sehr gut“, lobte er sie freundlich lächelnd.

Bekanntlich muss ein großer Schriftsteller kein netter Mensch sein. Uwe Timm ist beides – ein Glücksfall!

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare