„Titanic“-Autoren lasen im Zoom-Club

Henscheids Spießgesellen

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Der ehemalige „Titanic“-Chefredakteur Oliver Maria Schmitt - hier auf Wahlkampftour vor der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt 2012.

Frankfurt - Bei der fünften Auflage des Literaturfestivals „Frankfurt liest ein Buch“ dreht sich in diesem Jahr alles um „Die Vollidioten“ von Eckhard Henscheid. Von Moritz Post

Der „Große Eckhard-Henscheid-Ähnlichkeitswettbewerb“ im Frankfurter Musik-Club Zoom markierte den inoffiziellen Auftakt. Der Ex-„Titanic“-Chefredakteur und ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterkandidat Oliver Maria Schmitt lud zu einem Leseabend der satirischen Superlative ein, an dem es nicht um das Werk des Romanciers Eckhard Henscheid ging, sondern um die „Würdigung Henscheids als Polemiker und Menschenfeind“, so Schmitt. Dem Wettbewerb um die Nachfolge des Meisters der komischen Kritik stellten sich acht aktuelle und ehemalige Redakteure des Satiremagazins. In ihren Beiträgen bekam jeder sein Fett weg: Politiker, Autoren, Publizisten und die Stadt Frankfurt selbst wurden Ziel der vorgetragenen Polemiken. Den Sieger des Wettbewerbs kürte Altmeister Henscheid höchst persönlich.

Stefan Gärtner, von 1999 bis 2009 bei „Titanic“ und ausgewiesener Henscheid-Experte, eröffnete den Wettstreit mit einem Text zu „Jockel“ Joschka Fischer. Moritz Hürtgens „Der dümmste Mensch der Welt“, eine Polemik über den Schweizer Publizisten Rolf Dobelli, und die „Naturbeschimpfungslyrik“ aus der Feder des Aschaffenburgers Thomas Gsella folgten. Der langjährige „Titanic“-Redakteur Mark-Stefan Tietze schloss die erste Runde der Wettbewerbsbeiträge mit einer Stadtbeschimpfung über Frankfurt, die in den von Jürgen Roth herausgegebenen „Wegsehenswürdigkeiten“ erscheinen wird.

Den zweiten Teil des Wettbewerbs eröffnete Leo Fischer mit einer satirischen Besprechung des Buchs „Die Schüchternheit der Pflaume“ von Fee Katrin Kanzler. Der jüngste „Titanic“-Chefredakteur aller Zeiten wusste das Publikum im gut besuchten ehemaligen Sinkkasten zu begeistern. Thorsten Gaitzsch erklärte in der Rolle des Markus Gabriel, Deutschlands jüngstem Philosophie-Professor, „warum es die Welt nicht gibt“ und in verschiedenen „Nachrufen zu Lebzeiten“ dachte der amtierende „Titanic“-Chef Tim Wolff über das Ableben derzeit noch vitaler Prominenter nach. Im letzten Wettbewerbsbeitrag von Hans Zippert erfuhr das Publikum von pikanten Details aus der Kanzlerzeit Helmut Kohls, die noch keinen Eingang in eine der zahlreichen Kohl-Biografien gefunden haben.

Die Kür des Gewinners des ersten „Eckhard-Henscheid-Ähnlichkeitswettbewerb“ machte sich Henscheid nicht einfach, entschied sich letztlich aber für Stefan Gärtner, der sich nun mit der - laut Oliver Maria Schmitt - „rarsten Auszeichnung im deutschen Literaturbetrieb“ schmücken darf. Gestern startete das Literaturfestival dann auch offiziell in der ausverkauften Deutschen Nationalbibliothek. Frankfurts Literaturfans haben bis zum 13. April die Möglichkeit in über 100 Lesungen, Diskussionen und Ausstellungen Gerhard Henscheids Debütroman „Die Vollidioten“ zu besprechen und diskutieren. Der Roman aus dem Jahr 1972 wurde extra zu „Frankfurt liest ein Buch“ im Schöffling-Verlag neu aufgelegt, mit einem neuen Nachwort versehen und kostet 19,95 Euro.

„Titanic“-Redakteur als OB-Kandidat

Quelle: op-online.de

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