Ein Mann mit vielen Seiten

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Andreas Franz

Einer der erfolgreichsten deutschen Krimiautoren ist tot. Andreas Franz starb am vergangenen Sonntag im Alter von 57 Jahren unerwartet an Herzversagen. Vital, kraftstrotzend und vor Energie sprühend: So kannte man Andreas Franz. Von Sonja Thelen

Viele Klinken musste er putzen, bis sein Erstlingswerk „Jung, blond, tot“ bei Droemer-Knaur erscheinen konnte und nach der Veröffentlichung 1996 für Furore sorgte – das Debüt seiner Frankfurter Ermittlerin Julia Durant.

Andreas Franz war ein geerdeter Autor, ohne Allüren. So nahm man ihn bei Treffen auf der Buchmesse wahr oder bei sich daheim in seinem Reihenhaus in Hattersheim, das er sich durch seinen schriftstellerischen Erfolg endlich leisten konnte. Bis er mit seinen Büchern Geld verdienen konnte, hatte sich der Mann mit den vielen Talenten, der übrigens auch ein anerkanntes Sachbuch über Graphologie verfasst hat, als Schlagzeuger, Lastwagenfahrer und Übersetzer durchgeschlagen.

Er war nah bei den Menschen, ihren Ängsten und Sorgen

Andreas Franz war nah bei den Menschen, ihren Ängsten und Sorgen. Denn sie waren ihm bekannt. Er selbst hatte einen gewalttätigen Vater, vor dem er mit seiner Mutter Mitte der 1960er Jahre aus Oberfranken nach Frankfurt geflüchtet war. Diese traumatischen Erfahrungen hatten ihn geprägt und flossen in seine Romane ein. In diesen war er oft der Anwalt der Jüngsten und Schwächsten unserer Gesellschaft, die an die Seite gedrängt werden, über deren Schicksale man ungern etwas hören möchte. Menschen, die genauso im Frankfurter Bahnhofsviertel leben wie in den betuchten Vierteln der Mainmetropole oder im Frankfurter Speckgürtel, in Häusern, hinter deren gutbürgerlichen Fassaden sich menschliche Abgründe auftun. Diese erschütterten ihn, und das wollte er öffentlich machen: „Ich möchte den Finger in die Wunde legen“, sagte er einmal. Für den gläubigen Andreas Franz war seine große Familie ein Rückhalt, seine Frau Inge, die er schon als junger Mann kennen gelernt und geheiratet hatte, und seine fünf Kinder.

Handlungen keine bloße Fiktion

Die Handlungen seiner Bücher waren keine bloße Fiktion. Meist basierten sie auf wahren Begebenheiten. Franz hatte exzellente Kontakte zu den Ermittlungsbehörden. Vorbehalte seiner Kritiker, seine Bücher seien oft zu blutrünstig, oder seine Sprache nicht anspruchsvoll genug, ließen ihn ziemlich kalt. Wichtig waren ihm seine Leser. Sie wollte er erreichen, ansprechen, aufwühlen. Das spürte seine immer größer werdende Anhängerschaft. Immerhin erreichten seine bislang 19 veröffentlichten Romane eine deutlich siebenstellige Auflage. Andreas Franz schrieb mit Herz, Verstand und großem Engagement. Das haben seine Leser gefühlt. Bei seinen zahlreichen Lesungen haben sie sich von ihm und seiner offenen, unkomplizierten, amüsanten aber auch ernsthaften Art mitreißen lassen.

Quelle: op-online.de

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