Topfpflanze oder Schnittblume

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Eckart von Hirschhausen begeisterte mit „Liebesbeweise" die Offenbacher Stadthalle.

Er spart nicht mit medizinischen Fachbegriffen: Hypothalamus, Oxytocine, pathologisches Beziehungsmodell. Nach der zweieinhalbstündigen, intensiven Sitzung sind die Anwesenden um einiges klüger als zuvor. Von Veronika Szeherova

Nein, die Rede ist nicht von einem Vortrag bei einem Ärzte-Kongress. Dafür wird zu viel gelacht. Der Meister des medizinischen Kabaretts, Dr. Eckart von Hirschhausen, gibt sich in der nahezu ausverkauften Offenbacher Stadthalle die Ehre. „Liebesbeweise“ heißt sein neues Programm. Thema ist das schönste und geheimnisvollste aller Gefühle – die Liebe.

Die scheinbar unmögliche Beziehung zwischen Mann und Frau wurde von Comedians wie Mario Barth mehr als einmal durchgekaut, bis sie übel aufstieß. Doch Hirschhausen ist es gelungen, neue Aspekte aufzutun, abseits von gängigen Klischees. Dafür mit viel Niveau. Und natürlich Fachwissen.

Wahre Herausforderung sind Vertrautheit und Freundschaft

So entromantisiert er die Liebe von Anfang an. Romeo und Julia, die als Leitbild der Liebe gelten, hätten es viel zu leicht gehabt: „Sie hatten keine gemeinsame Alltagsbewältigung, mussten keine Einbauküche bestellen oder ein Ikea-Regal aufbauen. Auf dem Balkon stehen und rumsäuseln, das ist keine Herausforderung.“ Die wahre Herausforderung sei es, nach der ersten Phase der Verliebtheit, in der wir unsere Idealvorstellungen auf den Partner projizieren, in die Phase der Vertrautheit und Freundschaft überzugehen. An diesem Punkt seien viele Beziehungen zum Scheitern verurteilt.

Hirschhausen entwirft die Beziehungsmodelle „Schnittblume“ und „Topfpflanze“. Während erstere sofort wunderschön blüht, verwelkt sie nach kurzer Zeit, und die nächste muss her. Zweitere will gepflegt werden, muss auch mal Dürreperioden überstehen oder vom Nachbarn gewässert werden. Doch dann ist sie langlebig und viel schöner als die Schnittblume.

Dass tiefe Gedanken, medizinisches Wissen und großer Spaß sich keineswegs ausschließen, beweist der Arzt eindrucksvoll. Auch die musikalische Begleitung von Jazzpianist Christoph Reuter trägt zum gelungenen Abend bei. Am Ende steht das Publikum und singt lauthals „All You Need is Love“. Da strömen die Endorphine...

Quelle: op-online.de

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