„Pashmina: Absolventen der Städelschule 2014“

Tränen, Feuer und Hilferufe

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Die in Moskau geborene Sofia Duchovny verfolgt in „Untitled“ (2014) einen konzeptuellen Ansatz. Die Wachstafel ließ sie kurz vor der Eröffnung der Ausstellung an Ort und Stelle abbrennen.

Frankfurt - Von der Außenfassade des MMK Zollamts, einer Dependance des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, baumeln derzeit mit Glückwünschen und motivierenden Botschaften bemalte Laken, wie sie vielerorts während der Abiturprüfungen üblich sind. Von Eugen El

Bei den Laken handelt es sich um ein Werk des 1989 geborenen Künstlers Moritz Grimm. Der Anlass für seine augenzwinkernde Reverenz ist die bis zum 10. August laufende Absolventenausstellung der Städelschule. Die international renommierte Frankfurter Kunsthochschule entlässt diesmal 34 Studenten in die freie künstlerische Laufbahn. Zum sechsten Mal dürfen die Absolventen ihre Arbeiten im MMK Zollamt präsentieren.

Malerei bildet einen Schwerpunkt der diesjährigen Ausstellung. Doch auch andere Medien wie Film, Soundinstallation, Bildhauerei, Zeichnung, Performance sind vertreten. So zeigt Margarethe Kollmer (geboren 1984) unter anderem ein Buchobjekt. Jede Doppelseite ist mit einem Textzitat aus Actionfilmen und Thrillern versehen, meist sind es Hilferufe oder Ausrufe in Situationen extremer Spannung. Die an sich profanen Sätze lesen sich in Kollmers minimalistisch gestaltetem Buch wie Gedichte. Das Werk der zuvor an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung ausgebildeten Künstlerin verwandelt Sprachfetzen in Poesie.

Tobias Donats „Untitled“, 2014

Einen konzeptuellen Zugang zu künstlerischen Prozessen demonstriert die Arbeit „Untitled (Step 2)“ von Sofia Duchovny, die 1988 in Moskau geboren wurde. Im MMK Zollamt sieht man eine an der Wand angebrachte Wachstafel, die durch einen Brand abgeschmolzen und verformt wurde. Duchovny ließ im Vorfeld der Ausstellung die Wachstafel bewusst vor Ort abbrennen, um ein zufälliges, von einer Künstlerhand unbearbeitetes Bild zu erzeugen. Dem Zufall sind hier jedoch von der Künstlerin vorgegebene Grenzen gesetzt. Wie Heimat zu einer Inspirationsquelle werden kann, zeigt das Werk „Invasion of Teardrops“ der 1982 in Hiroshima geborenen Künstlerin Maki Ishii. Aus Styropor gefertigte Objekte in Ringform sind mit Metallstäben an die Wand gelehnt. Die Objekte beziehen sich auf einen japanischen Comic, in dem ein Monster ringförmige Tränen weint, mit deren Hilfe er seine Gegner tötet. Von einem vertrauten kulturellen Motiv ausgehend, gelingt Ishii eine genuin bildhauerische Reflexion über Form, Material und Raum.

Beim Rundgang durch die Ausstellung im MMK Zollamt begegnet man vielen weiteren, anregenden, mitunter auch Fragen auslösenden Werken. Man muss sich auf sie einlassen, genau hinschauen. Auch die diesjährige Absolventenausstellung zeugt vom experimentierfreudigen Geist der Städelschule. Es lohnt sich, die reiche Auswahl an künstlerischen Positionen zu erleben. Von vielen der frischgebackenen Städelabsolventen wird man bald wieder hören.

„Pashmina. Absolventen der Städelschule 2014“ noch bis 10. August im MMK Zollamt, Domstraße, Frankfurt. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr

Quelle: op-online.de

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