Er treibt nur ein Spiel, sie meint es todernst

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Wer liebt wen? Fritz (Isaak Dentler) und Christine (Kathleen Morgeneyer)

Frankfurt - „Man spielt nicht mit der Liebe“, so heißt ein anderes Stück. Wohin es führen kann, wenn man dies trotzdem tut, zeigt mit unerbittlicher Konsequenz Arthur Schnitzlers früher Bühnenhit „Liebelei“. Von Markus Terharn

Aus dem Uraufführungsjahr 1895 hat es der Regisseur Stephan Kimmig in die Gegenwart geholt und mit tollem Ensemble auf die Bretter des Großen Hauses im Schauspiel Frankfurt gebracht: in jenen unter Intendant Oliver Reese üblichen anderthalb Stunden ohne Pause, die vermutlich als „Frankfurter Länge“ in die Theatergeschichte eingehen. Das gibt Dramaturgin Nora Khuon Gelegenheit, den Text zu entschlacken und mit Musik anzuknacken. Zu Beginn schütteln sich vier junge Leute im Discofieber, als wäre das Leben eine einzige Party.

Da ist Fritz, der, wenn er nicht zwischen Vorlesung und Kaffeehaus pendelt, eine verheiratete Dame verehrt und verfängliche Briefe mit ihr wechselt. Um sich von ihr abzulenken, lässt er sich auf ein Techtelmechtel mit der mädchenhaft-naiven Christine ein. Doch der ist es ernst. Und der betrogene Gatte steht bereits vor der Tür...

Toilette, Tisch und Sitzgelegenheiten

Die Unmöglichkeit der Beziehung seziert Schnitzler im Dialog, Kimmig mittels Körpersprache. Zum zentralen Paar kontrastiert ein randständiges: Fritz’ sachlicher Freund Theodor, der ihn zur Affäre mit Christine überredet hat – und deren desillusionierte Freundin Mizi, die von Männern keine gute Meinung hegt. Weitere Haltungen zum anderen Geschlecht vertreten Christines Nachbarin, die zur Vernunftehe rät, und ihr Vater, der eine Bindung ohne Gefühl ablehnt.

Die Trennwände zwischen den Personen finden ihre Entsprechung in der Kulisse. Vor die Tapete und über die Teppiche hat Anne Ehrlich Glasböden gebaut. Sparsam möbliert ist das mit Toilette, Tisch und Sitzgelegenheiten. Eine sterile Folie, vor der sich die Emotionen umso deutlicher abzeichnen, so wie Katharina Kownatzkis Kostüme auch mehr ent- als verhüllen.

Nächste Vorstellungen heute, 20., 21. und 27. Januar

Ein Ereignis wird das durch Kathleen Morgeneyer. Dank ihrer schmerzhaft intensiven Darstellung nimmt der Zuschauer Christine ab, dass sie vorher keinen Mann geliebt hat und später keinen lieben wird; nach Frank Wedekinds Lulu und Bertolt Brechts Kattrin eine erneute Glanzleistung! Den mal ihr zugetanen, dann abweisenden Fritz stellt Isaak Dentler in seinen Widersprüchen bloß. Theodors Gleichgültigkeit wird in Sascha Nathan so glaubwürdig Gestalt wie Mizis Erwartungslosigkeit in Franziska Junge.

Quelle: op-online.de

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